Diesmal kann man mit Fug und Recht dem Preiskomitee ebenso aufrichtig und bewundernd gratulieren wie dem Preisträger. Wurden bisher mit Vorliebe Politiker mit dem Friedensnobelpreis bedacht, die erst Krieg geführt und dann Frieden geschlossen haben, der manchmal nicht lange währte, so wird diesmal ein Mann geehrt, der allein mit den Waffen des Geistes kämpft – mit Gottes Wort und großem Mut: Desmond Tutu.

Der schwarze Bischof, der in Südafrika seit Jahren als unerschrockener Kritiker der Apartheid wirkt, ist im Grunde ein fröhlicher Mensch, obgleich sein Schicksal eher tragisch zu nennen ist. Denn als überzeugter Christ in Südafrika zu leben, fügt der Unbill, schwarz zu sein noch weitere Last hinzu: Er muß hinnehmen, als minderwertiger Bürger eingestuft zu werden, aber er darf die Gewaltausbrüche, mit denen seine schwarzen Brüder gelegentlich ihrem Zorn darüber Luft machen, nicht gutheißen.

Was wird das für einen Jubel in der schwarzen Stadt Soweto geben, in der auch Bischof Tutu zu leben gezwungen ist. Nächtelang wird niemand dort schlafen gehen. Dff.