Die auf dem deutschen Kapitalmarkt stattgefundene Zinssenkung ist aus allgemeinwirtschaftlichen Gründen zu begrüßen. Für den Sparer wirft sie hingegen schwierige Probleme auf.

Die letzte 7 1/2prozentige Bundesanleihe fand reißenden Absatz. Angeblich soll ein großer Teil davon ins Ausland abgeflossen sein. Mit der Ankündigung von Bundesfinanzminister Stoltenberg, die Kuponsteuer ohne „wenn und aber“ rückwirkend abschaffen zu wollen, ist zweifellos das Interesse der Ausländer an Bundesanleihen gewachsen. Bisher mußten sie auf deren Zinsen eine Kapitalertragssteuer von 25 Prozent entrichten. Im Rahmen von Doppelbesteuerungsabkommen war diese Steuer zwar im Heimatland der Käufer anrechnungsfähig, aber nicht jeder konnte oder wollte von den segensreichen Auswirkungen eines solchen Doppelbesteuerungsabkommens Gebrauch machen.

Die bevorstehende Abschaffung der anachronistischen Kuponsteuer (sie wurde eingeführt, um den Kapitalimport in die Bundesrepublik zu bremsen) hat den Zinssenkungsprozeß in der Bundesrepublik beschleunigt. Die Folge: Die öffentlichen Hände können sich billiger verschulden als vorher. Das mag sie über den Ausfall der Kuponsteuer hinwegtrösten.

Die Besitzer festverzinslicher Papiere registrierten die Zinssenkung mit Freude, denn die Kurse ihrer Anleihen oder Pfandbriefe sind in jüngster Zeit kräftig gestiegen. Der Nachteil niedrigerer Zinsen zeigt sich erst, sobald neue Spargelder angelegt oder Zins- und Tilgungsbeträge reinvestiert werden sollen. Ein Blick auf die Zinsbewegungen der vergangenen Jahre läßt nämlich erkennen, daß Renditen festverzinslicher Papiere unter acht Prozent kein sicheres Ruhepolster mehr darstellen. Über lange Zeit lagen solche Anleihen und Pfandbriefe deutlich unter 100 Prozent, waren also nur unter Verlusten verwertbar.

Kein Wunder, wenn heute immer mehr Anleger Ausschau nach höheren Zinsen halten. Nach dem jüngsten Bundesbank-Bericht wurden allein im August für zwei Milliarden Mark Fremdwährungsanleihen in der Bundesrepublik abgesetzt. Bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in München hat sich in diesem Bereich der Umsatz in den ersten acht Monaten nahezu vervierfacht. Der Anteil der Währungsanleihen am gesamten Rentenumsatz der Bank erhöhte sich gleichzeitig von drei auf zehn Prozent.

Doch alles hat seinen Preis. Bei den hochverzinslichen Fremdwährungsanleihen besteht er im Währungsrisiko. Was das bedeutet, haben jene deutschen Anleger schmerzlich erfahren, die sich in den sechziger und siebziger Jahren in ausländischen Wertpapieren engagiert hatten. Die damals noch häufigen Aufwertungen der Mark führten zu ständigen Verlusten.

Die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank weist in einem Aufsatz über Fremdwährungsanleihen darauf hin, daß sich diese Situation seit Beginn der 80er Jahre geändert hat. Die Mark blieb zwar weiterhin eine starke Währung und konnte sich auch gegenüber zahlreichen europäischen Währungen festigen oder zumindest behaupten. Verglichen mit wichtigen Anlagewährungen, wie dem US-Dollar und dem japanischen Yen, aber auch dem kanadischen Dollar und dem Schweizer Franken, hat sie jedoch erheblich an Boden verloren. Wer Anleihen in Dollar besaß, hat also nicht nur hohe Zinsen, sondern auch einen beachtlichen Währungsgewinn kassieren können.