DIE ZEIT

Zweifel an Barzel

Rainer Barzels verheißungsvoller Aufstieg zum führenden Manne der Union zu Beginn der siebziger Jahre endete mit einem politischen Drama: dem Rückzug aus allen Führungsämtern.

Gute Wahl

Diesmal kann man mit Fug und Recht dem Preiskomitee ebenso aufrichtig und bewundernd gratulieren wie dem Preisträger. Wurden bisher mit Vorliebe Politiker mit dem Friedensnobelpreis bedacht, die erst Krieg geführt und dann Frieden geschlossen haben, der manchmal nicht lange währte, so wird diesmal ein Mann geehrt, der allein mit den Waffen des Geistes kämpft – mit Gottes Wort und großem Mut: Desmond Tutu.

Ein Anfang?

Zum erstenmal seit Beginn des Bürgerkriegs in El Salvador vor fünf Jahren haben sich am Montag dieser Woche Vertreter der Regierung und der Guerilla zu einem Gespräch zusammengesetzt.

Die schlimme Lust, alles zu regeln

Es gibt ein traumhaft schönes Bild von uns, in dem jedermann sich wiedererkennen darf. Kämpferische, also optimistische Demokraten haben es bald nach dem Kriege gemalt, den Titel hatten sie schon lange im Kopf: "Der mündige Bürger.

Kranker Wald

An der Diagnose gibt es nun nichts mehr zu deuteln. Fünfzig Prozent des bundesdeutschen Waldes sind sichtbar geschädigt. Das ist ein Ergebnis der am Dienstag vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgelegten „Waldschadenserhebung 1984“.

Rücktritt

Noch eine Agonie im Land: das Intendantensterben. Niels-Peter Rudolph, Leiter des ruhmreichen Hamburger Schauspielhauses, hat seinen Rücktritt zum Ende der Saison bekanntgegeben – und das nur zwei Wochen, nachdem er das prachtvoll renovierte Haus an der Kirchenallee wiedereröffnet hatte.

Deutschlands jüngster Nobelpreisträger: „Im Bett kam mir dann eine Idee“

Der junge Forscher mit dem mächtigen Vollbart kam im offenen Kittel über Jeans und kariertem Hemd aus seinem Labor. Dann ging er, im Frühjahr dieses Jahres, auf seine Besucherin zu, die ihn im „Basel Institut für Immunologie“ sprechen wollte, und sagte mit seiner unaufdringlichen, fast leisen Stimme: „Ich beneide Sie nicht um Ihre Aufgabe, allgemeinverständlich über monoklonale Antikörper zu schreiben, aber vielleicht hilft Ihnen dazu diese Tabelle etwas.

Zeitspiegel

Der heiße Herbst 1983 hat für die Berliner Demonstranten andere Folgen als für ihre Mitstreiter im Bundesgebiet. In Berlin gibt es alliierte Gesetze, nach denen auch verurteilt werden kann, wer mit deutschem Recht nicht in Konflikt gekommen ist.

Amerika: Mondale im Aufwind

Wenn der Demokrat Walter Mondale im zweiten Duell so gut wie im ersten abschneidet, könnte er eine unglaubliche Wende vielleicht doch noch herbeiführen, meinen viele seiner Anhänger.

Philippinen: Mordkomplott des Militärs?

Fabian C. Ver, Generalstabschef der philippinischen Streitkräfte, stand an der Spitze einer militärischen Verschwörung zur Ermordung des Oppositionsführers Benigno Aquino.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Die nordrhein-westfälischen Städte Wuppertal und Leverkusen bekommen grüne Bürgermeister: die 49jährige Hausfrau Irmgard Wohlert wird zweite Stellvertreterin des Wuppertaler Oberbürgermeisters, der Gymnasiallehrer Klaus Wolf soll demnächst die Stadt Leverkusen repräsentieren.

Berlin: Schießplatz und Status

Der britische Schießplatz in Berlin-Gatow gerät immer mehr unter Beschuß. Nicht nur die Anwohner haben sich gegen seine Benutzung ausgesprochen, sondern auch nahezu einmütig das Berliner Abgeordnetenhaus.

BONNER BUHNE: Eigenlob

Endlich ein Nobelpreis für Deutschland, wenn nicht sogar heimlich für Bonn – so klingen die hauptstädtischen Jubelfanfaren. „Gratuliere, Herr Doktor“, hat Heinz Riesenhuber seinen Kommentar für Bild zum Nobelpreis für Georges Köhler überschrieben.

Kohl-Reise: Auch die Chinesen ans Herz gedrückt

Wenn er überhaupt noch Zweifel an der Notwendigkeit eines verstärkten Studentenaustauschs gehegt hätte, so verkündet Helmut Kohl vor Journalisten, dann wären sie durch den gerade absolvierten Besuch an der Pekinger Beida-Universität zerstreut worden.

Wolfgang Ebert: (Auto)-Freiheit!

Was bedeutet uns Deutschen die Freiheit? Die Freiheit ist unser höchstes Gut und bedeutet, daß wir auf unseren Autobahnen mit Tempo 200 fahren dürfen.

Berufsverbote: Besonders fortschrittlich

Für Professor Albert von Mutius, einen renommierten und unverdächtigen Verwaltungsjuristen aus Schleswig-Holstein, ist schlicht verfassungswidrig, was sein eigener Dienstherr, Kultusminister Peter Bendixen, im Schilde führt.

Kummer mit dem Knast

In Hamburg kann man jetzt miterleben, wie das ist, wenn Boulevard-Blätter eine Pressekampagne entfesseln. Interessant, wo so ein Feldzug seinen Anfang nimmt: Natürlich dort, wo den Bürger das Gruseln ankommt, wo Sensationen und Katastrophen am Horizont winken, wo es angezeigt ist, sich so recht von Herzen zu entrüsten und man überdies auch noch das angenehme Gefühl haben kann, selber turmhoch über den Akteuren zu stehen.

Leben im Knast

Seit 1972 hat sich der Vollzug in der Anstalt Fuhlsbüttel grundlegend geändert. Den Insassen ist eine größtmögliche Bewegungsfreiheit in einem Bauwerk zugestanden worden, das zu einer Zeit errichtet wurde, in der ein ganz anderer Strafvollzug auf der Grundlage eines beängstigenden Menschenbildes beabsichtigt war.

Sparen kommt wieder aus der Mode

Der Affront war nicht zu übersehen. Einstimmig, Gewerkschafter und Arbeitgebervertreter unisono, so tickerten die Fernschreiber der Nachrichtenagenturen in die Öffentlichkeit, habe der Verwaltungsrat der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit sich dafür ausgesprochen, den Arbeitslosen im nächsten Jahr eineinhalb Milliarden Mark extra zukommen zu lassen.

Den Bogen überspannt

Der jüngste Streit der Deutschen Bundespost, diesmal mit ihrem Postverwaltungsrat, ist nicht in erster Linie dem Minister anzulasten.

Tarifkampf: Ungeschickt

Friedrich Zimmermann tut sich schwer, das rechte Maß zu finden. In der jüngsten Runde der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst verblüffte der Bundesinnenminister wohl selbst die Gewerkschaften mit dem vergleichsweise üppigen Angebot von 2,8 Prozent Einkommensverbesserungen im nächsten Jahr.

Bonner Kulisse

Heiner Geißler, CDU-Generalsekretär, Familienminister und Mann mit flotter Zunge, die nicht immer alles so genau nimmt, wurde bei einer dicken Unrichtigkeit ertappt.

Großbritannien: Unnachgiebig

Auch der Vermittler im britischen Kohlestreik hat die Kompromißformel nicht gefunden. Die letzte Verhandlungsrunde ist zusammengebrochen und damit auch die Hoffnung auf eine baldige Beilegung des seit März dauernden Arbeitskampfes.

Lomé-Abkommen: Krach

Proben die Armen den Aufstand? Die 64 Staaten aus dem afrikanischen, karibischen und pazifischen Raum, die mit der Europäischen Gemeinschaft über das zweite Lome-Abkommen verbunden sind, haben in Brüssel die Verhandlungen zur Vertragsverlängerung platzen lassen.

Verdiente Niederlage

Wenn wir gewinnen", so hatte Wolf gang Kante, Präsident des Bundeskartellamtes in Berlin, vor knapp einem Jahr prophezeit, "dann können wir etwas gegen die Konzentration im Handel tun.

Management: Spitze statt Größe

Die alte Dame, für die er verantwortlich ist, wird im nächsten Jahr 150 Jahre alt Doch sie will nicht nur dieses Jubiläum gebührend feiern, sondern hat noch große Pläne, die weit in das nächste Jahrzehnt hineinreichen.

Börsen-Report: Export-Hausse

Auf den deutschen Aktienmärkten geben die Ausländer den Ton an. Sie nutzen den festen Dollar, um ihre auf Mark lautenden Effektenbestände anzureichern.

Ein „bal pervers“

Roth: Es ist schon erstaunlich, daß der Eigentumsanteil eines durch und durch gesunden Betriebs verändert werden soll. Erstaunlich deshalb, weil sich ein Eigentümer normalerweise freut, daß sein Betrieb gut läuft.

ZEITRAFFER

Jetzt hat auch die Bundesbank festgestellt, daß die Streiks in der Metall- und Druckindustrie weder die Investitionsbereitschaft noch die Gewinne der Unternehmen nachhaltig beeinträchtigt haben: Die betroffenen Unternehmen in diesen Branchen haben im ersten Halbjahr 1984 mit 88,5 Milliarden Mark 2,5 Prozent mehr für neue Ausrüstungen und Bauten ausgegeben als im selben Zeitraum des Vorjahres.

MANAGER UND MÄRKTE

Kritik an der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie ist nach Ansicht des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) nicht begründet.

Lehrstellenkatastrophe?

Immer wieder werden die Unternehmer von Gewerkschaften, Politikern und Verbänden aufgefordert, zusätzliche Lehrstellen zu schaffen.

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