Proben die Armen den Aufstand? Die 64 Staaten aus dem afrikanischen, karibischen und pazifischen Raum, die mit der Europäischen Gemeinschaft über das zweite Lome-Abkommen verbunden sind, haben in Brüssel die Verhandlungen zur Vertragsverlängerung platzen lassen. Für die EG-Außenminister ist das eine böse Nachricht. Gerade eben hatten sie sich in Mittelamerika engagiert und für diese Region neue Ausgaben versprochen.

Jetzt melden sich die alten Kunden der Gemeinschaft zu Wort, deren Zahl um Angola, Mozambique und Namibia steigen soll. Diese AKP-Länder wollen keinen Entwicklungsfonds, dessen Zuwachsrate nicht einmal die jährlichen Inflationsquoten ausgleicht – von neuen Belastungen durch die amerikanische Hochzinspolitik ganz abgesehen. Ihre Rechnung ist einfach und eingängig. Die EG stellte 1979 umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar zur Verfügung. Heute entsprechen die angebotenen 7 Milliarden Ecu nur noch 5,3 Milliarden Dollar.

Die Franzosen hätten gern von vornherein mehr gegeben (sie verdienen auch bestens’ am AKP-Handel) und sich allen Ärger erspart. Aber Engländer und Deutsche hielten die Hände auf der Kasse. Die EG-Außenminister versäumten, rechtzeitig eine gemeinsame Haltung festzulegen. Wen kann es wundern, wenn die Kellerkinder der Weltwirtschaft vom Streit der zehn Reichen einen kleinen Profit abfallen sehen? Lomé III kommt, aber kostet mehr. rw