An der Diagnose gibt es nun nichts mehr zu deuteln. Fünfzig Prozent des bundesdeutschen Waldes sind sichtbar geschädigt. Das ist ein Ergebnis der am Dienstag vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgelegten „Waldschadenserhebung 1984“. Ein zweites Resultat: Ausflüchte, wonach die Katastrophe vielleicht durch natürliche Ursachen wie Pilze, Insekten oder das Wetter bedingt sei, können nicht länger gelten. Hauptursache ist die Luftverschmutzung.

Schlimmer noch als die schiere Zahl der geschädigten Waldfläche sind die sichtbar gewordenen Trends. Von Bäumen, die über 60 Jahre alt sind, müssen wir womöglich schon sehr bald Abschied nehmen – auch von der vielbesungenen deutschen Eiche. Denn sie fällt inzwischen noch schneller als Tanne und Fichte einer Art galoppierender Schwindsucht zum Opfer. Deren Erreger sind allerdings keine Bakterien oder Viren-, sondern Schwefeldioxid und „Saurer Regen“, Stickoxide und Ozon.

Bei der nun notwendigen radikalen Rauch- und Auspuffgas-Reinigung sollten wirtschaftliche Argumente durchaus beachtet werden, zum Beispiel dieses: In bundesdeutschen Wäldern steckt allein ein Holzwert von 200 bis 300 Milliarden Mark. Gemessen am Gesamtwert des Waldes schrumpft das Gezänk ums Tempolimit zu dem, was es ist: spätpubertäres Wutgeheul. GH

Siehe auch Dossier Seiten 17-21

„... und weiter sterben die Wälder“.