Von Marion Gräfin Dönhoff

Hamburg

In Hamburg kann man jetzt miterleben, wie das ist, wenn Boulevard-Blätter eine Pressekampagne entfesseln. Interessant, wo so ein Feldzug seinen Anfang nimmt: Natürlich dort, wo den Bürger das Gruseln ankommt, wo Sensationen und Katastrophen am Horizont winken, wo es angezeigt ist, sich so recht von Herzen zu entrüsten und man überdies auch noch das angenehme Gefühl haben kann, selber turmhoch über den Akteuren zu stehen. Wo also? In der Subkultur! Ein Gefängnis, in dem Mörder und Schwerverbrecher hinter Gittern sitzen, ist dafür besonders geeignet.

Aufschlußreich auch zu sehen, wie die Auflage tionen wechseln, wie immer neue Interessenten hineingezogen werden: die einen wollen Auflage machen, andere sich wichtig tun, wieder anderen geht es darum, Rache zu nehmen. Auch an politischem Opportunismus fehlt es nicht. Da findet die Opposition Munition gegen die Regierung, und irgendein Vergrämter glaubt die Gelegenheit gekommen, einen Widersacher stürzen zu können.

Die Boulevard-Blätter: Bild und Hamburger Morgenpost.

Ort der Handlung: die Justizvollzugsanstalt II, genannt Santa Fu, in Hamburg.

Zeit: eine Woche im September 1984.