Hannover. „Rolf Iseli. Arbeiten seit 1971“

Einsame Schatten in einer Landschaft, die sich gegen weite Horizonte erstreckt: Kein Baum, kein Strauch, keine Blumen, nur noch Erde, Steine und Regen blieben. Vom menschlichen Leben existieren allein verhüllte Schemen. Sie horchen und warten, steigen gewaltig und stumm aus rotbrauner Erde, beugen sich, blicken augenlos in die Ferne und irren über eine leere Welt. Ab und zu lodert die Welt auf in Hexenrot, strahlendem Mitternachtsblau, zerbrechlich scheinenden, zauberhaften Aquarellfarben. Rolf Iseli, der in Bern und St. Romain lebende Schweizer, wählt einfachste Mittel für seine Bilder, setzt sie zusammen aus tachistisch gemalten Farbflächen und Strichen, aus Kohle, Draht, Federn, Reisern und immer wieder Erde als Symbol für die masse humaine, die Urmaterie, aus der alles kam, in die alles vergeht. Seine Werke sind ein Versuch heute, trotz des Wissens von millionenfacher Atomgewalt, trotz Umweltzerstörung und trotz des verwöhnten, unendlichen Schaden anrichtenden Konsumverhaltens den Menschen und Landschaft zu malen. „Was auf dem Papier bleibt, sind Spuren der Arbeit, denkt nichts hinzu – denkt nur“, schrieb er. Trotzdem, seine Vision blendet, die schönen, geheimnisvollen Bilder stellen sich nicht der Realität, auf die der Maler sich bezieht. Sie weichen vielmehr aus in eine mythische Welt, einen kultischen Umgang mit Relikten der Natur. Die immerwährende Metamorphose, die Auferstehung aus der Erde, Hexenmagie und Geisterglaube sind eine verzweifelte Weigerung, das tatsächliche Ende zu sehen. Nur ein fahler Trost liegt im Raunen dämmernder Geschichte. – Die große Werkausstellung Rolf Iselis ist der Mittelpunkt eines in Hannover, Braunschweig und Hildesheim veranstalteten Programms: „Schweizer Szene“. Aus beneidenswert engagierter Einzelinitiative und zurückhaltend geführter Oberregie entstand eine gemeinsame Aktion, in der der Besucher sich mit Schweizer Theater, Schweizer Film und Schweizer Literatur bekannt machen kann. Keine Schweizer Kultur aus der Konservenbüchse, sondern individuelle Einzelpräsentation machen dies möglich. (Sprengel Museum Hannover bis zum 11. November. Katalog 25 Mark. „Schweizer Szene“ ebenfalls bis zum 11. November. Auskunft geben das Theaterbüro Hannover und die Kulturämter der Städte Hannover, Braunschweig und Hildesheim.) Elke von Radziewsky

Köln: „Allen Jones: Skulpturen – Zeichnungen“

Wann haben Vernissagen heute noch den Reiz von Premieren? Was frisch aus den Ateliers kommt, unterscheidet sich selten von der Produktion aus den Nachbarateliers. Bei einer Allen-Jones-Ausstellung erwartet man zunächst auch nur eine Neuauflage der aufreizenden malerischen und plastischen Beinparade. Mit den neuen Skulpturen und Zeichnungen des englischen Künstlers ist dem Kölner Galeristen Bogislav von Wentzel jedoch eine Überraschung gelungen. Sechs lebensgroße farbige Plastiken erfüllen die Räume an der Apern-Straße mit tänzerischem Charme. Glatt gescheitelte Tango-Strizzis mit knallroter Krawatte (das phallische Selbstzitat) wirbeln die biegsame Partnerin ebenso erregend wie akrobatisch durch Arme und Beine. Diese Figuren verströmen eine für Jones ungewöhnliche Sinnlichkeit. Das sind nicht mehr die kalten Pin-up-Puppen des Pop-Zeitalters, sondern Wesen mit einer lustvollen Körperlichkeit. Die haptische Qualität der Skulpturen ist beeindruckend. Ihr raumgreifender, gestisch-rhythmischer Linienfluß verlangt, daß man sie von allen Seiten betrachtet. Farbe und Kontur auf den gesägten dünnen Metall-, Holz- und Fiberglasformen setzen dabei malerische Akzente. Die Figuren sind spiralförmig ineinander verschlungen, so daß der Betrachter beim Herumgehen stets einen anderen Teil des komplizierten Bewegungsablaufs entdecken kann und ständig von witzig formulierten Details überrascht wird. Neben den Großplastiken zeigt Wentzel auch kleine Bronzen, Holzfigurinen und Zeichnungen zum Thema Tanz und Bewegung. Man könnte vermuten, es handle sich dabei um Vorstudien oder Bozzetti, aber das Gegenteil ist der Fall. Diese Arbeiten aus den letzten Jahren zeigen deutlich Jones’ neuen künstlerischen Weg: von der Reduktion der Masse und Abstraktion der Form zur luftigen Choreographie nach Leporello-Art. (Galerie von Wentzel, Köln, bis zum 11. 11.) Christine Vielhaber

Wichtige Ausstellungen

Düsseldorf: „von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf“ (Halle 13 Messegelände bis 2. 12., Katalog 40 Mark)

Düsseldorf: „Aufbrüche, Manifeste, Manifestationen. Positionen der bildenden Kunst zu Beginn der 60er Jahre in Berlin, Düsseldorf und München.“ (Städtische Kunsthalle bis 25. 11., Katalog 35 Mark)