Der Mord an dem philippinischen Oppositionsführer Aquino geht auf das Konto führender Militärs. Zu diesem Urteil gelangen vier Anwälte, die in Manila mit der Untersuchung des Attentats befaßt waren.

Fabian C. Ver, Generalstabschef der philippinischen Streitkräfte, stand an der Spitze einer militärischen Verschwörung zur Ermordung des Oppositionsführers Benigno Aquino. Zu den hohen Offizieren, die das Mordkomplott schmiedeten, gehörten zwei weitere Generäle: Luther Custodio, Chef des Luftfahrt-Sicherheitskommandos, und Prospero Olivas, Polizeichef von Metro-Manila.

Die Namen der drei führenden Militärs stehen in einem vertraulichen Bericht, den vier mit der Untersuchung des Aquino-Mordes befaßte Anwälte der von Präsident Marcos eingesetzten Kommision unter Vorsitz der pensionierten Richterin Corazon Agrava jetzt vorgelegt haben. Die detaillierte Beweisführung des 497 Seiten langen Reports zerstört endgültig die Regierungsversion, wonach ein gedungener Killer in kommunistischem Auftrag den populären Oppositionspolitiker bei seiner Rückkehr aus dreijährigem amerikanischem Exil am 21. August 1983 auf dem Flughafen von Manila erschoß.

„Es handelte sich nicht um eine Nachlässigkeit beim Schutz Aquinos“, so ein Berater der Agrava-Kommission zur ZEIT: „Wir sagen, es war eine Verschwörung.“ General Ver habe aus Furcht, im Falle des Todes des damals schwer erkrankten Staatschefs Marcos könne es Aquino gelingen, eine breite Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu vereinen und das Präsidentenamt zu erobern, den Oppositionsführer aus dem Weg räumen wollen. Vers Verstrickung begründen die Anwälte in drei Punkten:

  • Die Sicherheitsvorkehrungen des Militärs für die Rückkehr Aquinos tragen die Unterschrift Vers.
  • Ver war als Chef der Geheimdienste genau unterrichtet, mit welcher Maschine Aquino in Manila eintreffen werde.
  • Ver hatte Präsident Marcos gewarnt, es gebe Informationen über einen möglichen Anschlag auf Aquinos Leben bei dessen Ankunft in Manila.

Besonderes Gewicht messen die Anwälte der Aussage des Flugzeugmechanikers Celso Loterina zu, der bei einer zweiten Befragung hinter verschlossenen Türen – nachdem er zuvor geleugnet hatte, den Mord beobachtet zu haben – vor der Kommission einräumte: Er habe gesehen, wie einer der Begleiter Aquinos diesen auf der Gangway von hinten erschossen habe.

Die Anwälte halten es für ausgeschlossen, daß der Todesschütze ohne Order von nächster Stelle den Mord begangen haben könnte. Aus der Tatsache, daß trotz der erdrückenden Beweislage alle befragten Militärs und Sicherheitsbeamten an der offiziellen Version festhielten, schließen sie auf ein abgekartetes Spiel.