Als sich Ende 1982 von der Umweltschutz-Organisation Greenpeace wegen persönlicher Streitereien eine neue Aktionsgruppe absplitterte, wurde die Liste bundesdeutscher Bürgerinitiativen um einen klangvollen Namen länger – „Robin Wood“. Die „gewaltfreie Aktionsgemeinschaft“ (so definiert sie sich selber) mit heute 700 Mitgliedern ließ seitdem kaum eine Gelegenheit aus, um zu zeigen, worum es ihr geht: um lautstarken Protest gegen das stille Sterben des Waldes.

Die anfänglich rüden Sprüche einiger ehemaliger Greenpeacer und Robin-Wood-Begründer gegen die „Firma Greenpeace“ sind längst vergessen. „Wir ergänzen uns eher, als uns gegenseitig Konkurrenz zu machen“, erklärt Klaus Scheerer, einer von fünf Vorsitzenden.

Mit Blitzaktionen kamen die „Rächer der Entlaubten“ denn auch oft genug ins Rampenlicht:

  • Robin-Wood-Mitglieder besetzten bei Köln den 160 Meter hohen Schornstein des Braunkohle-Kraftwerkes Frimmersdorf. Dort gehen jährlich etwa 100 000 Tonnen Schwefeldioxid durch die Schlote.
  • Die Bremer Gruppe simulierte „die Effektivität des Öko-Engagements von Bundesinnenminister Zimmermann und fegte vor Behördengebäuden einen Haufen Kiefernadeln mit Zahnbürsten zusammen.
  • In Berlin warfen Robin Woodler abgestorbene Baumkronen über die Mauer und entrollten ein gesamtdeutsches Transparent: „In Ost und West stinkt’s wie die Pest.“
  • Etwa 20 000 Robin-Wood-Sympathisanten beteiligten sich an der Aktion „Giroblau“. Sie zahlten ihre Stromrechnungen bar oder mit Briefmarken, überwiesen zu viel Geld und forderten die Differenz später zurück oder „verschrieben“ sich ganz einfach beim Ausfüllen der Überweisungsschecks. Kommentar der Waldschützer: Wer seinen Strom altmodisch erzeugt, soll auch sein Geld herkömmlich erhalten.

Doch was helfen die flotten Sprüche wie „Nicht schwafeln – entschwefeln“ gegen dreieinhalb Millionen Tonnen Schwefeldioxid?

Aktionist Volker Lange, selber einer Försterfamilie im Schwarzwald entwachsen („ich habe die Veränderung im Wald vor der Haustür erlebt“), über die Notwendigkeit der Robin-Wood-Kampagnen: „ 1982, in Berlin, gab es nach offizieller Auskunft kein Waldsterben – allenfalls säureresistente Bäume. Hätten wir damals schon eine schlagkräftige Aktion durchführen können, wären sicher alle drauf angesprungen.“

Inzwischen hat sich das Bewußtsein der Bevölkerung stark verändert. Dabei hat keineswegs Robin Wood selber den Umweltschutz im Bereich Waldsterben erfunden. Schon seit Anfang der siebziger Jahre macht beispielsweise der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) darauf aufmerksam.