Noch eine Agonie im Land: das Intendantensterben. Niels-Peter Rudolph, Leiter des ruhmreichen Hamburger Schauspielhauses, hat seinen Rücktritt zum Ende der Saison bekanntgegeben – und das nur zwei Wochen, nachdem er das prachtvoll renovierte Haus an der Kirchenallee wiedereröffnet hatte.

Zuletzt hatte das Schauspielhaus keine Bündnispartner mehr: nicht das Publikum, nicht die Presse, nicht die Politiker. Und dann gab „Minna von Barnhelm“ den Todeskuß. Rudolphs Verdienste wird man nicht vergessen: seinen wagemutigen Anfang, einige glänzende Inszenierungen, die Entdeckung und Belebung der Kampnagel-Fabrik. Trotzdem macht sein Rücktritt nicht nur melancholisch: Das deutsche Theater bekommt einen seiner besten Regisseure zurück.

Die Rolle des Intendanten wird immer mehr ein (selbstmörderisches Geschäft. Striebeck in Hamburg, Gobert in Berlin, Dresen in Frankfurt – Glück im Amte hat kaum noch einer. Und bald wird vielleicht kein Kluger mehr das Amt noch wollen. Theaterkrise haben wir immer. Doch nun wird es wirklich dramatisch. B. H.