Umweltschutz: In Paris werden erstmals Einweg- in Mehrwegflaschen verwandelt

Von Bettina Meyer

Jacques Chirac war die Sache wichtig genug, um persönlich zur Einweihung zu erscheinen – obwohl es sich auf den ersten Blick um eine recht banale Angelegenheit handelt: eine Anlage, die leere Flaschen maschinell sortiert und reinigt. Doch dahinter steht ein Problem, das nicht nur in Frankreich immer schwerer zu lösen ist – der Müllberg der alten Einwegflaschen. Auch in der Bundesrepublik ist die Wegwerfflasche seit ihrer Einführung Mitte der sechziger Jahre mehr und mehr zum Umweltärgernis geworden. Im ersten Ex-und-hopp-Jahr 1966 setzte die Hohlglasindustrie vier Millionen Flaschen ab; 1970 waren es bereits fast hundertmal soviel. Das Ergebnis war ein riesiger Glasberg, der immer weiter wächst.

In Paris sucht deshalb jetzt die Compagnie Generale d’Entreprises Automobiles (CGEA), Frankreichs größtes Abfallbeseitigungsunternehmen, einen neuen Weg zur Lösung dieses Problems: Sie bereitet in dem von Chirac eröffneten Glasrecycling-Center bisher nur einmal verwendbare Flaschen wieder auf. Die wie üblich in Containern gesammelten Flaschen werden dort lebensmittelhygienisch gereinigt, dann nach Typen sortiert, und schließlich in normaler industrieller Palettierung an die Abfüller verkauft. Kernstück der neuen Anlage sind die von der deutschen Alcoa entwickelten und produzierten Sortieraggregate. Diese Maschinen wurden bisher nur zum Sortieren von Pfandflaschen in Abfüllbetrieben verwendet; jetzt werden sie erstmals für Recycling eingesetzt.

Zimmermann droht

Dafür haben die Franzosen das Sortiersystem noch verbessert: Die Maschinen sind mit einer computergesteuerten elektronischen Kamera verbunden, die einen Flaschentyp auf Knopfdruck visuell memorisieren kann. Sie vergleicht dann das so gespeicherte Bild mit den durchlaufenden Flaschen und trennt die wieder verwendbaren Typen von denen, die nur noch eingeschmolzen werden können. Vier Fünftel der Containerflaschen können wieder verwendet und so in Mehrwegflaschen verwandelt werden.

Untersuchungen hatten gezeigt, daß im französischen Glasmüll überwiegend sieben verschiedene Flaschentypen zu finden sind. Sie werden nun in Paris automatisch aus den gesammelten Flaschen aussortiert. Für die Zukunft ist eine Erweiterung auf elf Typen geplant. Die Kapazität der beiden Sortiermaschinen – zusammen bis zu 80 000 Flaschen in einer Stunde – wird bisher noch bei weitem nicht ausgenutzt. Tatsächlich laufen heute nur zwölf- bis fünfzehntausend Flaschen stündlich vom Band.