Geld allein ist keine Garantie für bedeutende Bücher, der ADAC-Verlag und Main Geographischer Verlag haben es jüngst wieder einmal bewiesen. Für ihre erste Koproduktion, den „Großen ADAC Ski Atlas 1985“ ließen sich die beiden Verlage nicht lumpen: 25 alpenländische Ski-Autoren wurden engagiert, sie hatten 15 Monate Zeit, um das Opus zu vollenden.

Der neue Ski-Guide ist denn auch ein ordentlicher Brocken geworden: 785 Seiten stark, zwei Kilogramm schwer. Die Werbeprospekte verheißen „totale“ Information. Ein zu großes Wort für ein zu voluminöses Buch, in dem aller Klobigkeit zum Hohn so manche Informationslücke klafft. Die skandinavischen Skigebiete kommen nicht vor, der ADAC-Skiatlas beschränkt sich auf die europäischen Alpenländer.

Überhaupt bleiben viele der allersimpelsten Skifahrer-Fragen unbeantwortet. Diese zum Beispiel: Wie steht’s um das Preisniveau im angepeilten Urlaubsort? Der Atlas speist den Leser mit einer Skipaß-Preistabelle ab – kein Wort davon, wie tief Gasthäuser oder Skischulen ganz generell den Gästen in die Taschen greifen.

Was von den vielen ortsübergreifenden Skipässen zu halten ist, die immer mehr in Mode kommen, verschweigt der Pisten-Führer ebenfalls. Gut, daß es die Verbraucher-Zeitschrift Test als Sekundärliteratur gibt. Sie behebt auf acht Seiten solches Informationsdefizit, um Skifahrer beispielsweise darüber aufzuklären, daß das salzburgische Retortendorf Obertauern ein teures Pflaster, abseits gelegen und überdies noch in einen mangelhaften regionalen Skipaß-Verbund integriert ist.

Die ADAC-Ski-Experten wissen nichts von solchen Kalamitäten. Sie erachten andere Themen als wesentlich fürs Wedler-Glück. Klamotten, die den Sportler modisch kleiden, Markenfabrikate von der Automatikbindung bis zum Bretterwachs beschreibt und bebildert ein Spezialmagazin bis ins kleinste Detail. Oberdrein wird die Photogene Christa Kinshofer bemüht, um den Azubis unter dem Skivolk Lektionen in Rutschen zu erteilen. Beinah hundert Seiten werden da an werbeträchtige Kinkerlitzchen verschwendet, weitere 150 an bunte Hotelreklame.

Aber was sind schon ein paar läppische hundert Seiten. Hauptsache, der Skifahrer kriegt für seine 39,50 Mark etwas Handfestes – gut und gern mehrere hundert Gramm schwerbezahltes Übergewicht. iso