Goldbarsch-Filet war zwar auf der Karte, aber "nicht mehr da". Und auch nicht die Scholle, und schon gar nicht der gekochte Schellfisch. Aber Seelachs-Filet könne ich noch bekommen mit Kartoffelsalat. Und beim Wunsch nach einem "Schoppen Mosel" lächelte die adrett gekleidete Kellnerin sogar.

Als ich meinen Tisch in der Hamburger Fischbrat-Küche einnahm, war es zwanzig Minuten nach sechs Uhr abends. Das Schild an der Eingangstür – Öffnungszeit bis 18.30 Uhr – hatte mir Mut gemacht, nicht nur einen Tisch, sondern auch noch einen Fisch einzunehmen.

Und nun saß ich da, zehn Minuten vor Küchenschluß, wie auf einem Pulverfaß. Der große Raum war fast leer, und wer vom Bedienungspersonal nichts mehr zu tun hatte; der schien mir vorwurfsvoll aufs Besteck zu starren: Was will der noch hier essen, wo doch jeder weiß, daß in zehn Minuten Feierabend ist?

Ich bekam meinen Fisch, meinen Kartoffelsalat, meinen Schoppen Mosel – und schließlich auch noch das Gefühl, daß dies alles sehr schnell weggeputzt werden müsse.

Als erstes, ich hatte gerade meine Gabel in den Kartoffelsalat gesteckt, verschwand der Aschenbecher von meinem Tisch. Was mich gar nicht beunruhigte, denn ich bin Nichtraucher. Als nächstes verschwand, während ich mein Seelachs-Filet sezierte, das Kärtchen vom Tisch, auf dem ein besonderer Wein angepriesen wurde. Das war schon schlimmer; denn ich mag Wein.

So leerte sich also mein Tisch im Zeitraffertempo, und ich konnte gar nicht schnell genug essen, um zu verhindern, daß mir die freundliche Kellnerin nicht auch noch das Gefühl vermittelte, mir die Gabel aus dem Mund nehmen zu müssen, falls ich mit einer Gräte zu tun hätte.

Sie beobachteten mich, mit über Kreuz verschlungenen Armen, von allen Seiten des Raumes. Ich hatte keinen Fisch-Esser mehr neben mir. Nur noch die adrett gekleideten Kellnerinnen, die Feierabend machen wollten.