Die dänische Industrie bewältigt einen schwierigen Anpassungsprozeß

Von Wolfgang Zank

Dänemarks Industrie ist auf den ersten Blick eher unscheinbar. Weltumspannende und schlagzeilenträchtige Giganten sind dort nicht beheimatet. Die Firma Danfoss, Produzent von Ausrüstungen für Heiz- und Kühlanlagen, ist mit 11 000 Beschäftigten schon mit Abstand der größte Industriebetrieb. Die durchschnittliche Belegschaftsgröße beträgt etwa fünfzig Personen. Diese Klein- und Mittelbetriebe werden jedoch keineswegs von den Großen erdrückt; im Gegenteil, die geringe Größe erleichterte ein rasches Reagieren. Diese Flexibilität ermöglichte im letzten Jahrzehnt eine tiefgreifende Umstellung. Die dänische Industrie steht jetzt erheblich stärker da als vor dem ersten Ölpreisschock.

"Eines unserer größten Sorgenkinder war beispielsweise die Textilindustrie"‚ erläutert Torben Nielsen, Chefökonom der Privatbanken und einer der am häufigsten zitierten Experten des Landes. "Noch 1974 waren fast vierzigtausend Menschen in der Textilindustrie beschäftigt. Dann wurden bis 1981 über zehntausend Arbeitsplätze abgebaut. Seit einiger Zeit geht es jedoch wieder bergauf, und jetzt ist die Textilindustrie sogar der am stärksten expandierende Zweig; die Produktivität ist sehr hoch. Hier, diese Hose", er deutet auf sein Beinkleid, "wurde in zehn Minuten hergestellt. In Hongkong dauert dergleichen vierzig Minuten. Wir exportieren jetzt Textilien nach Hongkong."

Ein zweiter, häufig genannter Paradefall erfolgreicher Anpassung sind die Werften. Mehrere Betriebe mußten geschlossen werden, Tausende von Arbeitsplätzen gingen verloren, aber jetzt segelt die Branche wieder mit Rückenwind. Die Orderbücher sind für lange Zeit gefüllt, und der Weltmarktanteil steigt.

Nischen-Strategie

Dänische Betriebe versuchen in der Regel nicht, die Konkurrenz bei Basis- oder Massenprodukten zu schlagen. Die Anstrengungen werden vielmehr auf hochwertige, besonders Verbraucher- und anwendungsfreundlich gestaltete Produkte konzentriert, bei denen der Preis nicht das entscheidende Verkaufsargument ist. Dies ist der gemeinsame Nenner von so erfolgreichen Exporteuren wie beispielsweise dem Hi-Fi-Produzenten Bang & Olufsen, dem Medizinalgerätehersteller Radiometer oder dem Fertighausbauer Hosby.