Friedrich Zimmermann tut sich schwer, das rechte Maß zu finden. In der jüngsten Runde der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst verblüffte der Bundesinnenminister wohl selbst die Gewerkschaften mit dem vergleichsweise üppigen Angebot von 2,8 Prozent Einkommensverbesserungen im nächsten Jahr. Erstaunlich ist diese Offerte allerdings nur im Vergleich zur ursprünglichen Festlegung der Bundesregierung, daß es im nächsten Jahr für die Staatsbediensteten eine Null-Runde geben sollte.

Zimmermanns Absicht ist klar. Mit dem hoch erscheinenden Angebot will er die Gewerkschaft ÖTV von ihrer entschiedenen Forderung nach Arbeitszeitverkürzung abbringen. Doch Zimmermann kann sich da verrechnet haben. Von ihrer Forderung nach Arbeitszeitverkürzung kann die ÖTV nicht herunter. Auch bei den Streiks in der Metall- und Druckindustrie war ja weniger die Arbeitszeitverkürzung selbst als die rigide Gewerkschaftsforderung nach schematischer Verkürzung der Wochenarbeitszeit umstritten.

Mit seinem 2,8-Prozent-Angebot hat Zimmermann nun aber signalisiert, daß Bonns eiserner Sparwille wohl gebrochen ist. Die Möglichkeit, sich eine Verkürzung der Arbeitszeit durch eine Null-Runde oder allenfalls minimale Erhöhung der Einkommen abkaufen zu lassen, hat der Innenminister vertan. Am Ende wird er wohl für beides zahlen müssen: für deutlich höhere Tarife und kürzere Arbeitszeiten. wge