Der Handelsgigant Metro darf seine Stellung beim Kaufhof nicht weiter ausbauen

Wenn wir gewinnen", so hatte Wolf gang Kante, Präsident des Bundeskartellamtes in Berlin, vor knapp einem Jahr prophezeit, "dann können wir etwas gegen die Konzentration im Handel tun." Jetzt ist es soweit: Seit Dienstag dieser Woche nun haben die Berliner Wettbewerbshüter ein wichtiges Pfand in der Tasche, das sie ein gutes Stück voranbringt bei ihrer höchst diffizilen Aufgabe, die rasende Konzentration wenigstens abzubremsen.

Im Streit zwischen dem Bundeskartellamt und dem Großhandelsgiganten Metro, der seine Minderheitsbeteiligung am Kölner Warenhauskonzern Kaufhof um "eine Aktie" auf 25 Prozent aufstocken wollte, hat das Berliner Kammergericht den Wettbewerbswächtern recht gegeben. Die Beschwerde der Metro wurde zurückgewiesen. In seiner ersten kurzen Urteilsbegründung ist der Kartellsenat der Argumentation des Amtes gefolgt, wonach die Metro auf dem Teilmarkt des Cash und Carry-Großhandels eine überragende Marktstellung einnimmt, die noch verstärkt würde, wenn sich die Metro mit insgesamt 25 Prozent am Kaufhof beteiligen dürfte.

Nicht entschieden wurde dagegen die Frage, ob die Metro auch auf der Nachfrageseite, also gegenüber den Lieferanten der Markenartikelindustrie, eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Das Berliner Amt hatte die Metro in die Gruppe von insgesamt sechs solcher marktstarken Handelskonzerne eingereiht – neben Aldi, co op und Tengelmann, der Rewe-Leibbrand-Gruppe und Eaeka. Verworfen haben die Kammerrichter diese Marktabgrenzung der Kartellbeamten nicht. Sie haben die Frage der Nachfragemacht vielmehr offen gelassen, weil sie "noch der weiteren Aufklärung bedurft hätte". Das Kartellamt dürfte denn auch nicht mal einen Schönheitsfehler in der Entscheidung des Kammergerichts entdecken: Karttes Amt hat mehr als einen wichtigen Etappensieg errungen.

Der freilich war auch dringend nötig. Auch Wolfgang Kartte hatte den Fall Metro/Kaufhof zum "Schlüsselfall" für die Wettbewerbspolitik im Handel erhoben. Denn seit Jahren schwimmt der Handel wie keine andere Branche auf der Konzentrationswelle. Sämtliche 138 Fusionsfälle, die seit 1980 vom Kartellamt registriert wurden, stammen aus dem Lebensmittelhandel. Und stets sind die Großen der Branche, co op, Rewe-Leibbrand, Edeka und Schaper, dabei. Mitte dieses Jahrzehnts, so hatte ein Handelsmann prognostiziert, werden die fünf Größten der Branche rund die Hälfte des gesamten Lebensmittel-Einzelhandelsumsatzes auf sich vereinen.

Das Gegenbild, das die Metro während zweier langer Verhandlungstage Ende November 1983 und Anfang Oktober diesen Jahres vor dem Kammergericht von sich zeichnete, kam einer Miniatur nahe. Als Nachfrager sei sie ein "Winzling". Doch dieser Winzling kommt immerhin auf einen Jahresumsatz von über zehn Milliarden Mark. Allein in ihren vierzig Cash und Carry-Märkten schafft die Metro über sechs Milliarden Mark Umsatz. Gleichwohl mochte sich die mächtige Metro auch als Großhändler nur als kleines Rädchen sehen zwischen schier zahllosen Konkurrenten von Wochenmarkthändlern, Bäckereien und Schlachtereien, dem gesamten etablierten Einzelhandel und den über 31 000 Großhandlungen, die das Statistische Bundesamt in seiner offiziellen Statistik ausweist.

Dieser Sicht vom Wettbewerb hat sich das Kammergericht erfreulicherweise nicht angeschlossen – und mit der Realität hat die Selbstdarstellung der Metro auch nichts zu tun. Die ist vielmehr von einem gnadenlosen Konkurrenzkampf gekennzeichnet, den nur der Einzelhändler überstehen kann, der trotz Bevölkerungsrückgang und sinkender Einkommen der Privathausnalte weiter wächst. Dabei haben die Großen die besseren Chancen: Ihre Position als Nachfrager wie als Anbieter wird immer überragender. Die Position der kleinen und mittleren Lebensmittelhändler in der täglichen Preisschlacht um die Konsumenten wird dagegen immer hoffnungsloser. Ihr Ruf nach härteren Durchgriffen der Wettbewerbshüter ist seit langem schon nicht mehr zu überhören.