Feriengebiete sind sensible Geschöpfe. Ein Wiener Wissenschaftler hat jüngst beschrieben, wie ihr Lebenszyklus schwanken kann. Zur Diagnose gab er auch einen Therapie-Ansatz. Ob letzterer für alle Urlaubsregionen nützlich ist, darf aber bezweifelt werden. Insgesamt jedoch eine hilfreiche Studie.

Aller Anfang ist eitel Wonne. Bei der Geburt neuer Fremdenverkehrsregionen und -orte stehen meist viele wohlgesonnen Pate: Die Behörden bieten großzügig Steuervorteile für Investoren, die Bevölkerung verkauft Arbeitskraft und Grundstücke zu günstigen Preisen und heißt obendrein auch die Touristen als wirtschaftliche Wohltäter freudig willkommen.

So charakterisiert der Wiener Wirtschaftswissenschaftler Georg Grünn in seiner Studie über den „Lebenszyklus von Ferienregionen“ die Entstehungsphase touristischer Gebiete. Die Untersuchung basiert auf dem siebenstufigen Modell eines amerikanischen Forschers und setzt sich mit den Phänomenen des Aufstiegs und Verfalls von Feriengebieten auseinander.

Das Beste, was einer Feriengegend danach beschieden sein kann, ist ein möglichst ausgiebiges Verharren in der zweiten, der „Flitterwochen“-Phase. Da ist die Ortsstruktur noch intakt, wenige Neubauten verschandeln die Landschaft, das Angebot ist exklusiv – ganz so, wie es wohlbetuchte Individualtouristen lieben. Paradiese für Snobs entstehen in diesem Stadium, wenn der Ferienort nur teuer genug, seine Attraktionen – beispielsweise die Festspielkarten von Salzburg oder die Balkonzimmer in Monacos „Hotel de Paris“ während der Grand-Prix-Zeit – so knapp wie möglich bleiben.

Gibt es keine solchen natürlichen Barrieren, dann wird nach der Studie ein Feriengebiet alsbald von der „Sturmwolken“-Phase gebeutelt. Das ist ein Zustand psychologischer Verunsicherung, der vor allem Ortsansässige befällt. Mit deren Lebensstandard nämlich steigt auch der Groll auf die Gäste. Manche mögen nicht mehr die Diener-Rolle spielen. Andere packt der Neid auf den Reichtum und die lockeren Sitten der Touristen. Wer Grundstücke zu verkaufen hat, wird zum Preistreiber, nicht selten im Bund mit ausländischen Spekulanten.

Und schon geht’s weiter bergab, die letzten vier Phasen charakterisieren den allmählichen Niedergang. Zwar steigen mancherorts die Übernachtungen auf Massentourismus-Niveau, sonst aber wartet laut Studie nichts als Unbill auf die Urlaubs-Territorien. Die Umwelt muß dran glauben: Hier werden die Wasservorräte knapp, dort gibt es schwer zu kanalisierende Abwässer-Fluten. Ferienhäuser und Appartementsiedlungen schießen aus dem Boden, die Hotellerie verliert ihre Klientel.

Wenn die Zimmerpreise aus Konkurrenzgründen dann ins Bodenlose fallen, versuchen sich die Unternehmer an den Extras schadlos zu halten: Der Nepp beginnt. Überhaupt haben die Feriengäste nichts mehr zu lachen, wenn sie erst einmal in Scharen kommen. Die Behörden und die Einheimischen behandeln ihre Besucher höchst unwirsch, weil sie merken, daß die Gewinne kleiner werden, daß wertvolle Devisen verlorengehen für teure ausländische Lebensmittel und Getränke.