Lohengrin schien immer hinter einem leichten Schleier zu singen. Die Worte waren aufs beste und sorgfältigste angelernt, kamen aber nicht aus der Freiheit eines deutschsprachigen Herzens.

Die FAZ über Placido Domingos Auftritt als Lohengrin an der New Yorker Met

Inseln des Lebens

Hugo Kükelhaus ist tot. Der Philosoph und Künstler, der Architekt und Anthropologe, der Zimmermann und weise Mann hat es zum letzten Mal erlebt: „Jedes Leben ist eine Grenzerfahrung“, so pflegte er zu predigen. Solche Sätze waren ihm nicht als Gesetze gemeint – auch wenn sie oft so klangen. Im goetheschen Sinn hat er sie uns – in vielen Büchern – als Handlungsanweisung hinterlassen, deren sich jeder nach seiner Möglichkeit bedienen möge: zum tieferen Erleben seiner selbst, und vielleicht zur Rettung unseres Planeten. Der in diesem Jahr 75jährig Gewordene hat uns schon vor vier Jahrzehnten vor der Entwicklung unserer Zivilisation gewarnt: „Einen Wandel von der Wildnis zum Schutthaufen“, nannte er sie. „Was ist zu tun?“ fragte man ihn erschreckt ob solcher Prophezeiungen. Hugo Kükelhaus aber war jeder Aktionismus fremd, ja fast auch die Hoffnung. „Wir leben in der Wüste, und hat es da Zweck, die Wüste durch Aufwerfung von Sandhügeln umzugestalten?“ fragte er: „Nein, wir müssen dort, wo wir stehen, anfangen nach Wasser zu graben – wir müssen Inseln des Lebens bauen“, zitierte er gern Rahel von Varnhagen.

Protest gegen Prozeß

In Belgrad soll demnächst ein Prozeß gegen sechs Intellektuelle (Vladimir Mijanovic, Miodrag Milić, Dragomir Olujić, Gordan Jovanovic, Pavluško Imširović und Milan Nikolić) eröffnet werden – wegen angeblicher „konterrevolutionärer“ Tätigkeit. In einem Brief an den jugoslawischen Ministerpräsidenten Djuranović appellieren Heinrich Böll, Erhard Eppler, Iring Fetscher, Günter Grass, Jürgen Habermas und andere: „Wir möchten Sie dringend bitten, alles in Ihrer Macht stehende zu tun, damit es nicht zu dem geplanten Prozeß kommt... Nach unseren zuverlässigen Informationen haben die Beschuldigten... lediglich ihr verfassungsmäßig garantiertes Recht wahrgenommen, sich in privaten Wohnungen zu versammeln und kontroverse Themen zu diskutieren.“

Hermann Schröder