Hohles Prinzip

Der heiße Herbst 1983 hat für die Berliner Demonstranten andere Folgen als für ihre Mitstreiter im Bundesgebiet. In Berlin gibt es alliierte Gesetze, nach denen auch verurteilt werden kann, wer mit deutschem Recht nicht in Konflikt gekommen ist. Dies mußten jetzt zwei Angeklagte erfahren, die vom Amtsgericht Tiergarten schon freigesprochen worden waren. Nach dem Freispruch hat sich die Staatsanwaltschaft – verspätet, wie zugegeben wird – an die Alliierte Verordnung 511 erinnert, nach der die Behinderung von Streitkräften der Schutzmächte verboten ist. Mit dieser Verordnung stützt nun die Staatsanwaltschaft eine Rechtsbeschwerde beim Berliner Kammergericht, und die Amerikaner, deren Kaserne von den Demonstranten blockiert worden war, haben die nötige Zustimmung zu dem Verfahren erteilt. Das Prinzip der Rechtseinheit zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin erweist sich damit als hohl.

Milder Chef

General Antoine Lahad, Kommandeur der proisraelischen „Südlibanesischen Armee“, hält seine schützende Hand über sieben Gefolgsleute. Die Soldaten, allesamt Drusen, hatten im schiitischen Dorf Souchmor ein Blutbad angerichtet – Rache für Anschläge militanter Schiiten auf die Lahad-Truppe. Die blind feuernden Drusen töteten 17 Dorfbewohner; dann intervenierte Lahad, der zur Aufklärung der vorangegangenen Anschläge in Begleitung israelischer Offiziere nach Souchmor gekommen war (so seine eigene Darstellung). Die schießwütigen Kämpfer will Lahad zur Strafe aus der Armee verstoßen; mehr soll ihnen nicht geschehen. „Vergeßt doch die ganze Geschichte“, sprach der General zu entgeisterten israelischen Journalisten, „wir Libanesen haben unsere Sitten und Gesetze. Die ganze Angelegenheit geht nur uns etwas an.“

Man braucht sie, wieder

Djouna ist wieder da. Die sowjetische Wunderheilerin aus dem Kaukasus war nach dem Tode Leonid Breschnjews, den sie wahrscheinlich behandelte, von der Moskauer Bildfläche verschwunden. Jetzt steht sie offenbar wieder hoch in der Gunst des Kremls. Konstantin Tschernjenko hat der 35jährigen Djouna Dawitaschwili eine luxuriöse Drei-Zimmer-Wohnung im Zentrum Moskaus zugewiesen. Dort empfängt sie ihre Patienten, zu denen sie den russisch-orthodoxen Patriarchen Pimen und die Bundestagsabgeordnete Petra Kelly zählt. Mit Massage und Handauflegen heilt sie nach eigenen Angaben Arterienverkalkung, Nervenleiden und Magengeschwüre. Zehn Sitzungen kosten 1000 Rubel; Ausländer werden mit 500 Dollar zur Kasse gebeten.

Ins Auge getroffen

Normalerweise kann ihm die Presse nichts anhaben. Der australische Premierminister Bob Hawke erwartet seine Wiederwahl am 1. Dezember mit der Gelassenheit, die ein Vorsprung von 70 Prozent bei den Meinungsumfragen verleiht. Nun ging Hawke aber doch nach einem Presseangriff zu Boden. Angreifer war Garry O’Neill vom Melbourne Herald. Seine Angriffswaffe war nicht die Feder, sondern der ziemlich harte Ball des englischen – und australischen – Nationalspiels Cricket. O’Neill schoß auf den Premier, der gegen eine Pressemannschaft angetreten war. Hawke parierte mit dem Cricketschläger, lenkte den Ball aber als Querschläger mit voller Wucht ins eigene Gesicht. Er kam mit einer zerbrochenen Brille und einem blauen Auge davon und wurde bald wieder aus dem Krankenhaus entlassen.