Von Lothar Reinbacher

Wo immer sich Dieter Danzeisen befindet, an seinem Arbeitsplatz, auf der Wanderschaft oder im Bett, stets schwappen in seinem Bauch drei Liter einer glukosenaltigen Flüssigkeit. Jeden Tag dreimal muß der 42jährige Ingenieur aus Karlsruhe das Wasser in seinem Bauch austauschen. Seine beiden Nieren stellten vor drei Jahren ihre Funktion ein; sie sind auf die Größe von Walnüssen geschrumpft.

Viertausendmal hat Danzeisen den Wechsel schon vorgenommen. Bisher ist er von einer Infektion seiner Bauchhöhle verschont geblieben. Immerhin zählt die Bauchfellentzündung (Peritonitis) zu den wenigen Komplikationen, mit denen CAPD-Patienten rechnen müssen.

Hinter dem Kürzel steht die "Continuierliche Ambulante Peritoneal-Dialyse", 1976 in Amerika von Popovich und Moncrief vorgestellt: Sie ist eine akzeptable und zugleich billigere Alternative zur herkömmlichen Blutwäsche mit "künstlichen Nieren". Diese "Hämodialyse" muß dreimal wöchentlich vorgenommen werden; sie wird von den Kassen jeweils mit 350 Mark vergütet. Trotzdem setzen viele Nierenfachärzte (Nephrologen) in der Bundesrepublik die Bauchfell-Dialyse nicht gleichrangig bei der Behandlung von Patienten mit nicht mehr funktionstüchtigen Nieren ein. Fachleute argwöhnen gar, der üblichen Hämodialyse könnten möglicherweise "überhöhte Kalkulationen" zugrunde liegen: Schätzungen zufolge ließen sich "jährlich 100 Millionen Mark" im bundesdeutschen Dialysebetrieb einsparen. Für eine Offenlegung der tatsächlichen Kosten fehlt jedoch die Rechtsgrundlage,

Dieter Danzeisen benötigt keine kostspielige Maschine, um zu Hause die harnpflichtigen Substanzen aus seinem Blut zu entfernen: Er entschied sich vor drei Jahren für eine Blutwäsche mit Hilfe seines eigenen Bauchfells (lateinisch: Peritoneum). Pro Woche ist diese Bauchfell-Dialyse um 350 Mark billiger als die übliche Blutreinigung mit Apparaten. Die "künstlichen Nieren" gehen auf Experimente des holländischen Mediziners und Erfinders Willem Kolff zurück. Ihm war es 1943 erstmals gelungen, mit einer selbstgebauten, schlauchumwickelten "Trommelwaschmaschine" den Vergiftungstod nierenkranker Landsleute; hinauszuzögern oder zu vereiteln.

Danzeisen trägt unter seinem Gürtel einen zusammengefalteten Plastikbeutel, von dem ein zwei Meter langer Schlauch geradewegs in seine Bauchhöhle führt. Dreimal täglich muß er die "Wasserspülung" in Gang setzen: Dann entfaltet er den leeren Beutel, hängt ihn mit Hilfe eines Fleischerhakens an einen nahen Stuhl, öffnet ein Ventil – und läßt das "Spülwasser" binnen weniger Minuten aus seiner Bauchhöhle in den Beutel fließen. "Es besteht kein Zweifel", sagt Professor Peter Schollmeyer vom Zentrum für Innere Medizin der Universität Freiburg, "daß die CAPD das erste Dialyseverfahren darstellt, das eine kontinuierliche Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz ermöglicht und nicht nur in einem periodisch geübten Entgiftungsvorgang wie bei der Hämodialyse besteht."

Engagement, Umsicht und strenge Asepsis (Fernhalten von Krankheitskeimen) sind gefordert, wenn der Patient den Verbindungsschlauch vom "Abfallbeutel" löst und ihn an den neuen, mit drei Liter frischer Glukoselösung gefüllten Beutel stöpselt. Das Kupplungsstück wird in einer Halterung mit UV-Licht keimfrei gemacht und zum Schluß mit einer Schutzkappe umschlossen.