Nicht nur die Wälder sterben, auch die Baumschulen. So nannte man zärtlich die literarischen und kulturpolitischen Zeitschriften – Plantagen für neues Denken, neue Talente, neue Fühlweisen, neue Autoren. Nun schließt wieder eine: Mit einem ergreifenden Aufsatz verabschieden sich zwei grand old men der Bundesrepublik, Walter Dirks und Eugen Kogon, von ihren Lesern – ihre Zeitschrift Frankfurter Hefte geht ein. Sie war eine der wichtigen Lern- und Lehrstätten der Nachkriegsgeneration. Die siebenbändige Faksimile-Taschenbuchausgabe des S. Fischer Verlages ist ein Dokument der geistigen Bewegungen dieses Deutschlands. „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ war das Programm, der große, mutige, so brillant formulierte wie klug gedachte Entwurf; war es Utopie oder Illusion?

Das Adieu der Herausgeber klingt traurig: „Die restaurative Struktur, die sich durchgesetzt hat, ist die schlechtere Alternative unseres Programms geworden. Wenn sich die Hoffnung, die uns erfüllte, als Illusion herausgestellt hat, dann können wir zu unserer Rechtfertigung einmal anführen, daß sich nicht voraussehen ließ, daß so viele gesellschaftliche Kräfte aus der Zeit der Diktatur und aus der Krise der Weimarer Demokratie in Deutschland, auch der kapitalistischen Gesellschaft Europas, so wenige und so schwache Konsequenzen gezogen haben.“

Das wirkt auf bittere Weise, Geschichte hat ihren eigenen Hohn, aktuell, wie ein Psychogramm dieser geflickten Republik. Es wäre so wenig Geld nötig gewesen, diese noble Zeitschrift zu erhalten; aber das Geld ging andere Wege. Der Verlust wird teuer. F.J.R.