Seit Mitte Oktober können Flugpassagiere auf inneramerikanischen Linien vom Jet aus telephonieren – zwei Jahre, nachdem der Service verfrüht angekündigt wurde. Parallel dazu arbeitet jetzt die Deutsche Lufthansa an Verbesserungen für ihren Bordtelephon-Dienst.

Den „Anruf von oben“ erproben Telephonfirmen und Fluglinien in den USA schon jahrelang, bisher scheiterten sie an unzureichender Empfangsqualität und begrenzter Reichweite. Diese Mängel sollen nun weitgehend behoben sein. Passagiere können nun immerhin vom Jet aus anrufen, vom Boden jedoch nicht angewählt werden, obwohl das technisch möglich ist. Der neue Service begann in 20 Flugzeugen. Die Bundesbehörde für Kommunikation hatte dazu eine provisorische Genehmigung erteilt und einige Frequenzen bereitgestellt.

American Airlines, TWA, Delta, Northwest, Republic und United sind die ersten Carrier, die an das fliegende Selbstwählnetz angeschlossen sind. Aus ihren Großraumjets wird jetzt schon aus 9000 Meter Höhe angeläutet. Bis Ende dieses Jahres werden Air One, Eastern und PanAm ebenfalls „Fernsprechen auf Fernflügen“ anbieten. Überseegespräche sind vorerst nicht möglich.

Das Verfahren ist einfach: Der Fluggast muß nur eine Kreditkarte jener sechs Unternehmen, die sich an dem Versuch beteiligen, in die Wandhalterung stecken, dann stellt der Magnetstreifen auf der Kartenrückseite die Verbindung zum Telephonnetz her. Darauf nimmt der Fluggast das drahtlose Drucktasten-Sprechgerät mit zu seinem Sitzplatz und führt dort das Gespräch. Die Karte bleibt solange stecken.

Beim Anwählen der Rufnummer strahlt das kleine Handgerät ein Signal aus, das von einer Anlage im vorderen Teil des Jets aufgefangen und mittels Seitenband-Funksendetechnologie weitergeleitet wird. Relaisstationen, die über ganz Amerika verstreut sind, ermöglichen den Kontakt zum regulären Fernsprechnetz. Die Kosten betragen 7,50 Dollar für die ersten drei Minuten und 1,25 Dollar für jede zusätzliche Minute, unabhängig von der Entfernung.

In Deutschland gibt es derlei Möglichkeiten nicht. Allerdings steht den First-Class-Reisenden der Lufthansa seit 1977 weltweit eine Kurzwellenverbindung für „dringende Fälle“ zur Verfügung. Um die Cockpit-Crew nicht zu belasten, wird für diesen Service, genannt „Fluggast Funktelephon“, nicht geworben. Im gesamten Streckennetz vermittelt die Linie monatlich rund 25 Anrufe.

Bei der LH stellt das Flugpersonal die Verbindung über eine schwedische Funkstation her, und das „Privatgespräch“ findet im Cockpit statt. Anfang Oktober hat die „Kabinen-Kommission“ der Lufthansa beschlossen, eine Sprechstelle außerhalb eines B-747-Cockpits, am Arbeisplatz des Pursers, probeweise zu installieren. Die skandinavische Fluggesellschaft SAS verfügt über ein ähnliches System – gesprochen wird zwischen Pilotenkanzel und Kabine.