Tausende sogenannter Anlageberater sind in den letzten Wochen des Jahres unterwegs, um bei gutverdienenden Bürgern „steuerbegünstigte“ Anlagen zu verkaufen. Bauherrenmodelle stehen an erster Stelle.

Die vom Gesetzgeber, von der Finanzverwaltung und den Finanzgerichten systematisch betriebene Beschneidung und Einschränkungen der steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten haben zu einer Reduzierung der Steuersparmöglichkeiten geführt. Im Mittelpunkt der öffentlichen Kritik stand lange Zeit das Bauherrenmodell, mit dessen Hilfe sich besonders Angehörige freier Berufe (A-Berufe = Anwälte, Ärzte, Apotheker) Investitionsmöglichkeiten schufen, die ihnen im eigenen Betrieb nicht möglich sind.

Obgleich die Bundesregierung das Bauherrenmodell grundsätzlich für erwünscht hält, hat sie dennoch wichtigen Einschränkungen zugestimmt. So wird die Mehrwertsteuer-Option bei Bauherrenmodellen künftig entfallen. Eine Mehrwertsteuer-Rückerstattung ist nur noch möglich, wenn die Wohnungen bzw. Häuser bis zum 31. März 1985 fertiggestellt sind. Verluste aus Vermietung und Verpachtung können ab 1984 nicht mehr im Einkommensteuer-Vorauszahlungsverfahren steuermindernd angesetzt werden.

Ein neuer Fallstrick: Viele Finanzämter versagen die steuerlichen Vorteile des Bauherrenmodells, wenn in den Verträgen zwischen Bauherren und Initiatoren nicht sichergestellt ist, daß der Bauherr in der Wahl der Leistungen, die in den Werbungskosten zusammengefaßt sind, freie Hand hat. Das gilt insbesondere bei der Beschaffung der Finanzmittel und für die spätere Verwaltung.

Schon aus diesen wenigen steuertechnischen Daten können Sie erkennen, meine verehrten Leser, daß der Einstieg in ein Bauherrenmodell hohes steuerliches Fachwissen voraussetzt, das bestenfalls Ihr Steuerberater mitbringt. Wenn clevere Anlageberater Ihnen vorbeten, daß sich aus Steuern Vermögen machen lassen, gehen Sie Ihnen nicht auf den Leim. Bei der Vermögensanlage, und darum handelt es sich auch bei den Bauherrenmodellen, ist die Steuer immer nur ein Gesichtspunkt. Davor muß die Wirtschaftlichkeit des Objektes rangieren. 150 000 Bundesbürger, so stellte kürzlich die Anlagezeitschrift Geld-Magazin fest, haben in den letzten 15 Jahren versucht, ihre hohe Steuerbelastung durch ein Engagement bei Abschreibungsgesellschaften, Bauherren-, Erwerber- und Mietkaufmodellen zu vermindern und etwas für ihre Altersversorgung zu tun. Mehr als zwei Drittel der Objekte sind nach Ansicht des Geld-Magazins schiefgegangen oder gescheitert.

Ob diese Schätzung richtig ist oder nicht, ist schwer zu recherchieren. Darüber gibt es keine Statistik und die Betroffenen schweigen meist schamvoll. Wer allerdings die lange Warteliste studiert, die das Kapitalanlage-Informationszentrum Heinz Gerlach in Oberursel wöchentlich veröffentlicht, kann eigentlich an den Verlustschätzungen des Geld-Magazins kaum noch zweifeln.

Ärger hat es gegeben, wenn die Verkäufer der Bauherrenmodelle, die Initiatoren, unseriöse Leute waren. Einige von ihnen sind im Gefängnis gelandet. Viele Objekte waren steuerlich mit einer zu heißen Nadel gestrickt. Steuerliche Nachzahlungen waren die Folge. Andere konnten überhaupt nur mit zusätzlichen Zahlungen fertiggestellt werden, was dann die steuerliche Erfolgsrechnung natürlich verschlechterte.