Der leicht überdurchschnittliche Gymnasiast A. wird von einigen Mitschülern der Klasse 10 gedrängt, einen politischen Arbeitskreis an der Schule zu gründen. A. macht das und schließt sich bald darauf der Jugendorganisation einer Partei an. Ein Jahr später hilft er im Wahlkampf, verdient sich dabei auch ein paar Groschen und lernt den Ortsverbandsvorsitzenden B. kennen, der ihm rät, später Jura zu studieren, und ihn fragt, ob er ihm bei der Ausarbeitung eines jugendpolitischen Programms helfen will. A. macht sich vielfaltig nützlich, schafft das Abitur, studiert in X-Stadt Jura, hält aber den Kontakt zur privaten und politischen Heimatstadt, wird Schriftführer, Delegierter, stellvertretender Ortsverbandsvorsitzender und – kurz vor dem ersten Staatsexamen – Mitglied des Stadtrats.

Da fragt ihn der Bundestagsabgeordnete C.‚ ob er nicht zunächst nebenbei und dann eine Zeitlang hauptamtlich seinen Wahlkreis betreuen könne. A. macht auch das und wird nach dem Wahlerfolg seines Abgeordneten Mitglied im Kreisvorstand. A. pendelt weiter zwischen Heimat- und Uni-Stadt, denn er will promovieren. Außerdem meldet er sich für die Referendarausbildung. A. zieht beides nebeneinander durch und läßt die Politik etwas schleifen. Aber nur für kurze Zeit, dann tritt der Landtagsabgeordnete D. an ihn heran, ob er nicht an einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent der Fraktion interessiert sei. A. bedingt sich aus, daß er Spielraum für seine kommunalpolitischen Interessen behält, und sagt zu. In der Fraktion erhält A. den Arbeitsbereich Innen- und Rechtspolitik, wechselt aber später zur Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Der Oberkreisdirektor E. – ein Parteifreund –, hat ständig Konflikte mit dem Kreisvorsitzenden F. Er drängt A., gegen F. zu kandidieren und sagt ihm zu, für die Mehrheit zu sorgen. A. gewinnt knapp gegen F. Ein Jahr später hat die Partei in der Kreisstadt die Stelle eines hauptamtlichen Beigeordneten zu besetzen. Oberkreisdirektor E. setzt sich für A. ein, und dieser wird mit sicherer Mehrheit gewählt. Ohne A. „läuft“ bald nicht mehr viel im Kreis; dem Oberkreisdirektor ist dieser Machtzuwachs für A. nicht immer recht. Er gibt intern die Parole aus, A. einzudämmen. Da kommt ein Kommunalpolitiker auf die glänzende Idee, A. den gerade verwaisten, sicheren Bundestagswahlkreis anzubieten, zu dem der Kreis gehört. A. zweifelt, ob er sich auf diese Ebene begeben soll, erhält aber keine Zusage für die Wiederwahl als Beigeordneter in der Kreisstadt und – geht nach Bonn.

A. ist nun 37 Jahre alt und beginnt als Hinterbänkler standesgemäß: im Petitions- und Verkehrsausschuß. Drei Jahre später gelingt ihm der Wechsel in den Wirtschaftsausschuß, in dem er zunächst nur stellvertretendes Mitglied war. Nach müheloser Wiederwahl arbeitet sich A. in der Fraktion weiter hoch, mit 42 ist er stellvertretender Obmann, mit 44 Obmann seiner Fraktion im Wirtschaftsausschuß. In der Heimat läuft es mit der Parteikarriere nicht ganz so gut. A. muß seine zwischenzeitliche Mitgliedschaft im Kreistag wieder aufgeben, bleibt aber Kreisvorsitzender. Er beschränkt sich dort nun auf die Parteiarbeit und auf die Rolle des Integrators.

Zu Beginn seiner dritten Wahlperiode wird A. vom Landesgruppensprecher in Bonn in die Pflicht genommen, für den Fraktionsvorstand zu kandidieren, da sonst H. gewählt würde, der „völlig unmöglich“ sei. A. sagt zu und erfährt erst später, daß H. vom Fraktionsvorstand favorisiert wird. Die Gegenkandidatur von A. bringt das Personalkarussell in Gang, fordert zwei Gegenkandidaten heraus, derentwegen zwei Vorstandsfavoriten stürzen. A. kommt aber nicht durch und ist froh, daß er weiter Obmann bleibt.

Inzwischen hat sich A. als Experte für Wirtschaftsförderung und Infrastrukturpolitik einen Namen gemacht. Seine Kontakte zu einigen Verbänden werden immer besser, und er läßt sich als Anwalt nieder. Im Wahlkreis aber bildet sich gegen ihn eine hartnäckige Opposition. Nur mit zehn Stimmen Mehrheit wird er zum viertenmal für den Bundestag nominiert, nachdem er zu erkennen gegeben hat, daß er nicht wieder für den Kreisvorsitz kandidieren wolle. Im Bundestag fällt seiner Partei und damit ihm der stellvertretende Vorsitz im Wirtschaftsausschuß zu. A. macht sich keine Illusionen: Dies wird seine letzte Wahlperiode, er sieht sich nach späteren Wirkungsmöglichkeiten um.

Mit 53 scheidet A. aus dem Bundestag aus, nach 28 Monaten Übergangsgeld erhält er mit 55 Jahren den Höchstbetrag der sogenannten „Altersentschädigung“. Aber A. wird nicht nur Pensionär, sondern auch Hauptgeschäftsführer eines Bundesverbandes, dem er noch fast zehn Jahre dient. (Das Privatleben von A. verlief freilich nicht ganz so gradlinig wie seine Karriere; aber Diskretion sei ihm zugesichert.)