Die Nobelpreise lehren vor allem eines: Erfolgreiche Naturwissenschaft ist international

Dies ist ein Test. Bitte sprechen Sie nach: mono-klonale Anti-körper. Gut, das geht ja schon ohne stottern. Und nun, bitte, die zweite Prüfung: poly-kausales Wald-sterben. Wie? Davon wollen Sie erst Kenntnis nehmen, wenn es einen Nobelpreis für dessen Erforschung gegeben hat? Da können Sie lange warten.

Das satirische Spielchen mit den beiden herausragenden bundesdeutschen Wissenschaftsmeldungen der letzten Woche – Waldsterbe-Zahlen und Medizin-Nobelpreis für Georges Köhler – deckt einige Probleme im Umgang mit Nachrichten aus den Naturwissenschaften auf:

Erstens werden wichtige Wissenschaftsnachrichten oft nicht rechtzeitig erkannt, weil es, wie Pasteur einmal sagte, „am vorbereiteten Verstand“ fehlt. Wenn dann alle davon reden, kann es schon zu spät sein – zu spät für eine Forscherkarriere, für ein Patent, für wirksame Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit oder Umwelt.

Zweitens dokumentieren beide Ereignisse wieder einmal, wie wenig sich (natur)wissenschaftliche Erkenntnisse in herkömmliche politische oder geographische Kästchen stopfen lassen. Luftschadstoffe kümmern sich nicht um Ländergrenzen; Organismen ist es egal, ob die Gifte, unter denen sie zu leiden haben, aus roten oder schwarzen Quellen strömen; die Ehre, den Paß mit einem Nobelpreisträger zu teilen, bleibt hohl, wenn der Laureat besserer Arbeitsbedingungen wegen ins Ausland ging und dort Erfolg hatte.

So klingt das eilfertige Eigenlob mancher Politiker und Boulevard-Blätter – Deutschland sei „wieder Spitze“, mit der hiesigen Forschung „gehe es bergauf“ – besonders peinlich. Der letzte Nobelpreis für einen Deutschen war 1979 an den Heidelberger Chemiker Georg Wittig verliehen worden, der letzte Medizinpreis ging 1973 an den Biologen Karl von Frisch. Sind „wir“ nun dank des Nobelpreises plötzlich besser?

Die bundesdeutsche Forschung läßt sich so wenig durch markige Politikerworte ins Lot bringen, wie der deutsche Wald sich gesundbeten läßt. Auch ohne Nobelpreise wurde und wird hierzulande hervorragende wissenschaftliche Arbeit geleistet. Auch mit – einem – Nobelpreis wird in der Bundesrepublik hervorragende wissenschaftliche Forschung durch Bürokratie abgewürgt: Es mangelt nicht so sehr am Geld, sondern an der geistigen und beruflichen Beweglichkeit.