Von Heino Kaack

gen, wenn man sich auf die notwendigsten beruflichen Dinge beschränkt. Sobald aber erkennbar wird, daß man wegen der politischen Tätigkeit die berufliche Karriere vernachlässigen muß, sucht man in der Regel nach einer Berufstätigkeit, die mit der Politik besser zu vereinbaren ist. Somit wird der berufliche Werdegang mehr oder weniger mit dem politischen verzahnt. Von hier aus ist es nur noch ein kleiner Schritt zu der Überlegung, politischen Einfluß zu nutzen, um berufliche Probleme zu lösen oder zu verringern.

Da die politische Karriere unsicher bleibt, erscheint die berufliche Absicherung besonders wichtig. Deshalb sind Positionen des öffentlichen Dienstes so begehrt, am liebsten solche, die von vornherein eine Nähe zu politischen Führungsaufgaben aufweisen. So ist die Überrepräsentation des öffentlichen Dienstes im Parlament auch ein Indiz für die hohe Professionalisierung der Partei- und Parlamentskarrieren.

Die zunehmende Verzahnung von politischer und beruflicher Tätigkeit erstreckt sich meist über einen längeren Zeitabschnitt, der innerparteilich mit der sogenannten Ochsentour einhergeht. Obwohl 28 der 91 Parlamentsneulinge von 1983 zur atypischen Fraktion der Grünen zählen, ist insgesamt das Eintrittsalter der Abgeordneten im 10. Bundestag relativ hoch: Nur fünf – davon vier Grüne – waren zu Beginn des Wahljahres noch nicht 30 Jahre alt, nur 21 hatten ein Alter zwischen 30 bis 39 Jahre. Über die Hälfte aller Parlamentsneulinge war 40 bis 49 Jahre alt, und 18 zählten sogar zu den mindest 50jährigen. Bei dieser Altersschichtung wäre ein hohes Maß an politikfreier beruflicher Laufbahn zu erwarten gewesen. Dennoch zeigt sich, daß etwa 25 Prozent der neuen Abgeordneten faktisch kaum eine Berufsphase ohne gravierendes politisches Engagement und etwa 30 Prozent weniger als zehn entsprechende Berufsjahre aufweisen. (Kennzeichen für ein gravierendes politisches Engagement: Mitgliedschaft im Landesparlament oder singuläre Führungspositionen auf Kreisebene.)

Das Hauptergebnis der Berufsanalyse bei erstmaligem Eintritt in den Bundestag: Nur einige wenige Abgeordnete haben finanziell und/oder statusspezifisch einen beruflichen Stand erreicht, der ebenso hoch wie das Bundestagsmandat anzusiedeln wäre. Anders ausgedrückt: Für fast alle Abgeordneten bedeutete der Einzug in den Bundestag einen beachtlichen finanziellen und sozialen Aufstieg.

Dieser Aufstieg bedeutet um so mehr, weil er weitere Aufstiegsmöglichkeiten eröffnet. Nach den bisherigen Erfahrungen kann sich ein Abgeordneter ausrechnen, daß er nach mehr als acht Jahren im Bundestag eine mindestens fünfzigprozentige Chance auf eine – extra dotierte – Führungsposition in Parlament und Regierung hat. Bei dreimaliger Wiederwahl können fast siebzig Prozent aller Abgeordneten mit irgendeiner Führungsposition rechnen. Und über die Hälfte aller Neulinge von 1972 hat die dreimalige Wiederwahl geschafft!

Es gibt nur wenige vergleichbare Institutionen mit einem derart differenzierten Aufstiegssystem wie den Bundestag; es entspricht weitgehend der Struktur in den öffentlichen Verwaltungen, wie überhaupt die Laufbahndimension des Öffentlichen Dienstes die Abgeordnetenkarriere stark geprägt hat.