Von Richard Gaul

Nun steht das Auto endgültig in der Ecke, in die es nach Meinung mancher Kritiker schon immer gehörte: in der Ecke des stinkenden Umweltverschmutzers. Diskussionen darüber scheinen nicht mehr möglich; die Meinungsblöcke sind inzwischen festgefügt und unerschütterlich. Das Auto, so wird immer wieder lauthals geklagt, gilt als Umweltfeind Nummer 1. Es tötet Baum und Mensch – andere Ursachen für die Umweltverschmutzung werden in der öffentlichen Diskussion verdrängt.

Die Autoindustrie aber, die nun wahrlich mit dem eigenen Image und dem ihrer Produkte nicht zufrieden sein kann, hat so gut wie nichts getan, um diese Rufschädigung zu verhindern. Die Branche tritt seit Jahren nur als umweltpolitischer Bremser auf; ihre Sprecher erklären, was sie nicht möchten, machen selbst aber keine konstruktiven Vorschläge zur Entlastung der Umwelt.

Dabei kann Umweltschutz für die Autoindustrie nun wirklich kein überraschendes Thema sein. In den siebziger Jahren schon wurden in Japan und den USA schärfere Abgasgesetze erlassen, seitdem werden in diesen Ländern nur noch Autos mit abgasreinigenden Katalysatoren verkauft – auch von deutschen Herstellern. Irgendwann, so mußte seitdem klar sein, wird diese Forderung wohl auch in Europa erhoben werden.

Die Branche aber wartete ab. Die Autokonzerne verließen sich darauf, daß der europäische Weg der schrittweisen Verringerung der Gifte in den Abgasen weiter gegangen wird – auch nachdem die Schäden in den Wäldern die Diskussion verschärft hatten.

Als dann die neue Bundesregierung im vorigen Jahr Ernst machte mit ihrer Forderung nach saubereren Autoabgasen auch in der Bundesrepublik, verlegten sich die Autoherren wieder aufs Lamentieren. Zunächst stoppten sie im Frühjahr die Bayerischen Motorenwerke (BMW), die den Katalysator als eine durchaus denkbare Technik zur Abgasreinigung bezeichnet hatten; dann versuchten sie, Zeit zu gewinnen und setzten alle Hebel in Bewegung, um die von Bonn vorgelegten Pläne zur Einführung der neuen Gesetze hinauszuzögern.

Die Autoindustrie hatte dabei durchaus gute Argumente. Es ist tatsächlich von einer im Wettbewerb stehenden Firma nicht zu verlangen, daß sie nur auf Grund einer vagen Absichtserklärung der Regierung schon gleich teure Aufträge an die Entwicklungsabteilungen gibt; in einem Industrieland kann eine Branche bei Fragen von so grundlegender Bedeutung von den regierenden Politikern mit Recht klare Gesetzesvorgaben verlangen. Wenn aber solche klaren Richtlinien aus den zuständigen Ministerien auf sich warten lassen, dann muß eine so große und wichtige Industrie eben selbst die Initiative ergreifen; wenn die Gesetzentwürfe nicht aus Bonn kommen, dann müssen eben die Vorstände in Wolfsburg, Stuttgart, München, Köln oder Rüsselsheim eigene Vorschläge machen, die hervorragende Sachkenntnis ihrer Fachleute dazu nutzen, die Diskussion voranzubringen. Der Attentismus in der Katalysator-Diskussion jedenfalls hat den Vorwurf der Verzögerungstaktik geradezu provoziert.