Die Schwarzwaldgemeinde machte erstmals eine Bilanz über die finanziellen Folgen der Baumschäden

Der halbe Wald ist krank – mit dieser Schreckensmeldung sorgte die Bonner Regierung in der vergangenen Woche für viele pathetische Kommentare. Meist ging es dabei um sentimentale Werte. Nur am Rande wurde gestreift, daß der Wald für viele auch eine wichtige Einnahmequelle ist.

Wie sich das Baumsterben für die Waldbesitzer auswirkt, hat jetzt erstmals die Schwarzwaldgemeinde Freudenstadt im Detail errechnen lassen. Für ihren 3353 Hektar großen Gemeindeforst, der sich über die Hügelketten rund um die Stadt ausbreitet, ließ sie die finanziellen Schäden aufaddieren. Die Forstleute kamen zu eindrucksvollen Zahlen: Das Waldsterben, so lautet ihr Fazit, hat die Gemeinde bereits mehr als fünf Millionen Mark gekostet. Allein in diesem Jahr belaufen sich die Vermögens- und Einnahmenverluste auf eine knappe Million Mark. „Ein schlimmer Einschnitt in die Haushaltskasse“, kommentiert Freudenstadts Bürgermeister Hans Pfeifer, in dessen Gemeindehaushalt in guten Jahren bis zu 1,5 Millionen Mark Gewinn aus der Waldwirtschaft flossen.

Der Schwarzwald ist – wie auch Harz, Fichtelgebirge, Bayerischer Wald und Oberpfalz – besonders stark vom Waldsterben betroffen. Im Freudenstädter Kommunalwald ist bereits ein Drittel der Fichten schwer geschädigt und muß spätestens in einem Jahr gefällt werden. Bei den Tannen sieht die Lage nicht viel besser aus. Selbst junge, nur einen Meter hohe Pflanzen sind schon gelb und verdorrt.

Viele Bäume müssen deshalb, lange bevor sie reif zum Verkauf sind, gefällt werden. Zwar können die Freudenstädter Förster die jungen Tannen und Fichten bei den Sägewerken losschlagen, doch für die Zukunft müssen sie dafür Vermögensverluste in Kauf nehmen: Für einen Stamm, der nicht mehr als vierzig Jahre alt, knapp zwanzig Zentimeter dick und zehn Meter lang ist, bekommen sie kaum mehr als 150 Mark – höchstens ein Fünftel dessen, was der Baum nach heutigen Maßstäben mit 130 Jahren eingebracht hätte.

Daneben beobachtet der Freudenstädter Forstrat Harald Langeneck an den Jahresringen der Tannen und Fichten, daß die meisten Bäume in seinem Revier schon in den letzten drei Jahrzehnten nicht mehr richtig gewachsen sind. Legten sie früher noch im Jahr ein bis zwei Zentimeter an Durchmesser zu, so sind es heute höchstens noch ein paar Millimeter. Weniger Zuwächse aber bedeutet ebenfalls: Das „Vermögen Wald“ schrumpft.

Schließlich haben die Freudenstädter Forstleute neben den zukünftigen Verlusten auch noch die heutigen Mehrkosten und Einnahmeausfälle berechnet. Höhere Ausgaben verbuchten sie hauptsächlich für Dünger, verstärkte Wiederaufforstung und für die Arbeit der Holzfäller. Denn diese können nicht mehr nur an wenigen Tagen und in wenige Bestände konzentriert einschlagen. Das kranke Holz fällt das ganze Jahr und über weite Flächen verstreut an.