Die Verschärfung des Bergarbeiterstreiks bringt auch das Pfund unter Druck

Von Wilfried Kratz

Werden die Lichter ausgehen?" So fragt die Sunday Times besorgt und untermauert ihren Alarmruf mit einem Schaubild. Es zeigt, daß die Kohlevorräte der britischen Elektrizitätswerke spätestens dann auf ihr unverzichtbares Minimum gefallen sein werden, wenn die Briten Weihnachten feiern. Bei einem frühen und kalten Winter würde dieser Zeitpunkt noch eher erreicht. Der Economist sieht die Gefahr einer Versorgungskrise sogar schon Ende November.

Beide Szenarien gehen von der entscheidenden Annahme aus, daß außer der Bergarbeitergewerkschaft auch die viel kleinere, aber eine Schlüsselrolle spielende Gewerkschaft der Steiger ihre Streikdrohung wahr macht. Da kein Kumpel ohne Beaufsichtigung durch einen Steiger einfahren darf, würde dann auch in den noch arbeitenden Revieren die Förderung eingestellt werden müssen. Bisher liefern diese Gruben immer noch rund eine halbe Million Tonnen Kohle pro Woche.

Die Gewerkschaft der Bergleute unter der Führung des radikalen Arthur Scargill hat ihren Streik gegen Zechenschließungen im März unter für sie sehr ungünstigen Umständen begonnen. Auf den Halden lagen fast fünfzig Millionen Tonnen Kohle – knapp die Hälfte der jährlichen Förderung. Allein die Elektrizitätswerke verfügten über beinahe 25 Millionen Tonnen. Frühjahr und Sommer, Zeiten mit einem stets niedrigen Strombedarf, standen bevor. Trotzdem wagte Scargill die düstere – und damals recht kühn erscheinende – Prognose, die Räder in Großbritannien würden bald stillstehen, das Land im Dunkeln liegen.

In den vergangenen sieben Monaten war davon nichts zu bemerken. Aber mehrere Reviere mit etwa einem Viertel der Belegschaft von insgesamt 180 000 Bergleuten trotzten den Streikbefehlen der Zentrale. Im Gegensatz zu den anderen Bezirken hatten die Kumpel dort ihre eigenen Urabstimmungen abgehalten. Dabei ergaben sich beträchtliche Mehrheiten gegen einen Arbeitskampf. Kohle wurde weiterhin an die Energiewirtschaft geliefert.

Die Stromerzeuger zeigten sich zudem überraschend flexibel. Sie setzten mehr teures Heizöl ein und steigerten die Einfuhr von Kohle. Trotz gelegentlicher Streiks in den Häfen und gewerkschaftlicher Streikposten gelang es im allgemeinen reibungslos, die Importkohle von den Schiffen zu den Kraftwerken und Hochöfen zu schaffen.