Margaret Thatcher demontiert die Industriepolitik ihrer Vorgänger

Wenn man auf der alten A8 von Edinburgh nach Glasgow fährt, passiert man auf halbem Wege eine Fabrikhalle von riesigen Ausmaßen. Sie sticht schon deshalb ins Auge, weil sie inmitten einer weitgehend landwirtschaftlich genutzten Region etwas fehl am Platze wirkt – was sie auch ist, denn auf einer Tafel, die auf dem Vordach des Gebäudes lehnt, ist zu lesen: For Sale. Als ob sich jemand, der hier zufällig vorbeikommt, so zum Kauf der Fabrik anregen ließe.

Die Stadt im Hintergrund heißt Bathgate, und die Werkshallen gehören dem staatseigenen Autokonzern British Leyland, der die Lastwagenfertigung in Schottland einstellen will.

Die Geschichte des Werkes und der Stadt spiegeln beispielhaft den radikalen Bruch wider, den die Politik der "Neuen Rechten" um Margaret Thatcher im britischen Wirtschaftsleben herbeigeführt hat. In der Nachkriegszeit lebte Bathgate vom Schieferbergbau und der Gewinnung von Schieferöl. Daher rühren die Schlackenberge in ihrer Umgebung. Der Niedergang dieses Industriezweiges fiel in die Amtszeit des konservativen Premiers Harold Macmillan.

Mit einer Entwicklungspolitik nach dem Prinzip von "Zuckerbrot und Peitsche" versuchte er, die regionalen Ungleichgewichte in Großbritannien in den Griff zu bekommen. Im Rahmen dieses ehrgeizigen Programms siedelte man im Jahre 1962 nicht nur das Lastwagenwerk in Bathgate an. Dem durch den Niedergang des Kohlebergbaus und der Schiffswerften hart getroffenen Schottland sollte zudem durch ein Stahlwerk in Ravenscraig und eine Autofabrik in Linwood wieder auf die Beine geholfen werden.

Die nachfolgende Labour-Administration Harold Wilsons knüpfte dort an, wo Macmillan aufgehört hatte: mit einem Aluminiumwerk in Invergordon, einer Papierfabrik in Fort William und einem neuen Eisenerz-Terminal an der Clyde. Zusammengenommen sollte das 46 000 Arbeitsplätze schaffen – ein gewaltiger Zuwachs in einem Land mit nur fünf Millionen Einwohnern.

In seinen Anfangsjahren kämpfte das neue Lastwagenwerk mit fast unüberwindlichen Schwierigkeiten. In Schottland fehlten die notwenigen Zulieferbetriebe; fast alle Einzelteile mußten über 500 Kilometer aus England herbeigeschafft werden. Eine gezielte Ansiedlungspolitik für ergänzende Industrien kam nie zustande. Überdies mochten sich die ehemaligen Bergleute lange Zeit nicht an den Rhythmus der Fließbandfertigung gewöhnen. Und als es soweit war, war es zu spät.