Von Klaus Viedebantt

Als die bayerischen Automobilbauer vor ein paar Tagen ihr jüngstes Produkt vorstellten, den 218 PS starken und 230 Kilometer schnellen M 535 i, schauten die Premierengäste voller Erinnerungen auf den Kraftprotz in automobiler Kriegsbemalung: Der Neue aus München, übrigens ein faszinierendes Auto, stand getreulich in einer kuriosen BMW-Tradition: Fast jedesmal, wenn die Bayern in den letzten Jahren ein besonders sportives Projekt vorstellten, wehte der Autobranche der Wind ins Gesicht, sei es wegen der vermeintlichen Ölknappheit oder wegen der Forderung nach Tempolimit aus Verkehrssicherheitsgründen. Auf diese Weise blieben dem BMW 2002 Turbo oder dem weißblauen Zwölfzylindermotor nur kurze Auftritte in der Firmengeschichte.

Doch diesmal ist die Situation ein wenig anders. BMW konnte sich nicht nur als Vorreiter der „dynamischen Fahrweise“ (wie sie neuerdings verschämt genannt wird) präsentieren, das Unternehmen stellte sich auch als Wegbereiter der Katalysatortechnik vor. Es bietet nicht nur ein paar Modelle jeder Baureihe mit dem Katalysator an (das tun andere Unternehmen auch), es machte vor allem einen Schritt zur Treibstoffversorgung für die Katalysatorautos: Als erstes Autowerk richtet es in allen Niederlassungen Tankstellen für bleifreien Treibstoff ein. Das ist sicherlich eher ein symbolischer Akt, denn BMW hat nur elf Niederlassungen. Aber es führt vielleicht heraus aus der Zwickmühle, in der Ölfirmen und Autobauer sich gegenseitig vorwerfen, keinen bleifreien Treibstoff respektive keine dafür geeigneten Autos zu liefern. Das Argument der Mineralölkonzerne ist allerdings wenig überzeugend, weil – wie eine ZEIT-Umfrage zeigt – bereits eine Vielzahl von Autos bei den Händlern stehen, die mit bleifreiem Benzin fahren können, teils mit, größtenteils ohne Katalysator.

Zur Entlastung der Benzinfirmen kann bestenfalls vermerkt werden, daß gegenwärtig ein großes Kuddelmuddel zwischen den Normal- und Superverbrauchern besteht. Derzeit hat das Normalbenzin in der Bundesrepublik 91 bis 92 Oktan und Superkraftstoff 98 bis 99 Oktan. Beim bleifreien Normalbenzin soll es auch bei dieser Oktanzahl bleiben; bleifreies Superbenzin wird aber künftig nur noch einen Oktanwert von 96 haben. Diese Entscheidung geht zwar auf eine Übereinkunft zwischen den Autobauern und den Ölmischern zurück, führt aber in der Übergangszeit bei einigen Automarken zu Anpassungsschwierigkeiten.

Bei Alfa Romeo beispielsweise könnten zwar alle Modelle seit 1972 mit bleifreiem Sprit gefahren werden, fordern aber einen Supersprit mit 98 Oktan. Das italienische Unternehmen mit dem großen Sportwagenruhm kann derzeit auf Anfrage zwei Modelle mit Katalysator liefern: den „Spider“ mit 2-Liter-Vierzylinder-Motor und das Sportcoupe GTV mit 2,5-Liter-Sechszylindermotor. Diese Autos wurden aber bisher noch nicht verlangt, Preise stehen für diese beiden Modelle nicht fest.

Audi meldet, daß alle Typen ab Baujahr 1979 problemlos bleifrei betankt werden können. Die Ingolstädter VW-Tochter, stark engagiert im Export, wo vielfach Katalysatoren Pflicht sind, bietet 15 verschiedene Modelle der Baureihe 80, 100 und 200 mit Katalysatorausstattung an. Audi meint, wegen unterschiedlicher technischer Ausrüstungen und sonstiger Ausstattungen ließen sich die Katalysatorwagen preislich kaum mit entsprechenden Parallelmodellen ohne den Abgasfilter vergleichen.

Austin Rover hat hierzulande keine Modelle anzubieten, die bleifreien Treibstoff schlucken; somit ist auch noch kein Katalysator-Brite auf dem Markt. Im Januar kommt der Rover 213 zu den deutschen Händlern, er verträgt bleifreies Normalbenzin. Da dieses Fahrzeug teilweise produktionsidentisch ist mit Hondas Civic, bereitet eine Katalysatorversion wohl keine Probleme. Der Rover 3500 verträgt zwar bleifreies Super, aber nur mit 98 Oktan.