Er war der Nachfolger von Gustaf Gründgens als Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg (1963) – und ging vor Ablauf des Vertrages, weil nicht nur die Hamburger Abonnenten ihm eine "Massierung düsterer Stoffe" (Strindberg, Barlach, Ionesco) vorwarfen, sondern weil einige der von ihm engagierten Schauspieler in einer Fernsehsendung gegen ihn auftraten. Ein "Linker", ein "Intellektueller"? Wie kam dann aber gerade Herbert von Karajan dazu, diesen Schauspiel-Intendanten, der als Opernregisseur groß geworden war, 1964 als Nachfolger für die Wiener Staatsoperndirektion zu empfehlen?

Der Sohn eines Münchner Tierarztes, aufgewachsen im sinnenfroh katholischen Süden, sein Leben lang süchtig nach der "klaren Luft des Nordens", hat sich selber am besten charakterisiert: "Schwer wird man es immer mit mir haben, denn schwierig werde ich wohl immer bleiben."

Der mit den süddeutschen Bühnenbildnern und Brecht-Freunden Caspar Neher und Teo Otto in Wien und Salzburg einen neuen Stil von Mozart-Inszenierungen geschaffen hat, wollte sich doch nie für das Lehrtheater seines Landsmannes Brecht begeistern – war aber in den unruhigen sechziger Jahren bereit, einen Rebellen wie Wolfgang Neuss mit der großen Schnauze und der großen Pauke ans Hamburger Staatstheater zu verpflichten.

Ein solch bayerischer Dickschädel und Querdenker konnte und wollte nicht "Sklave eines Kultursenators" sein. Aber wer Titel und Programm seines Buches, "Bühne als geistiger Raum" (1963), nur versteht als Plädoyer für ein literarisches Theater der Abstraktion und szenischen Dürftigkeit verkennt den Mann, der die letzten zwanzig Jahre seines Lebens als "freier" Regisseur gearbeitet und nicht sein geringstes Vergnügen darin gefunden hat, für die Salzburger Festspiele, auf deren großen Bühnen er jahrelang mit Internationaler Anerkennung gearbeitet hat, komödiantisches Straßentheater zu machen.

In seinem Haus in Großgmain bei Salzburg ist dieser viel geehrte, am Ende vergessene Künstler, der in aller Welt fast alles inszeniert hat, was für Oper und Schauspiel geschrieben wurde, am 22. Oktober gestorben: Oscar Fritz Schuh, 80 Jahre alt. Rolf Michaelis