Ohne sonderlich viel Aufsehen zu erregen, haben die deutschen Aktienkurse in den letzten Tagen einen neuen historischen Gipfel erklommen. Maßgeblich dazu beigetragen hat die im Gange befindliche Zinssenkung. Sie ließ nunmehr auch solche Papiere in den Vordergrund rücken, die von der Rendite her interessant werden.

Dazu zählen in erster Linie die Aktien der Großchemie (BASF, Bayer und Hoechst). Optimisten glauben, davon ausgehen zu können, daß alle drei Konzerne auf Grund der in diesem Jahr anfallenden Gewinne bereit sein werden, ihre Ausschüttungen von sieben auf neun Mark anzuheben. Das würde bedeuten, daß sich die Rendite (einschl. Körperschaftsteuer-Guthaben) bei der BASF – ausgehend von einem Kurs von 169 Mark – auf 8,3 Prozent stellen würde. Werden dagegen die Renditen der neuen Bundesobligationen (fünf Jahre Laufzeit) von nur noch 6,88 Prozent oder der neuen Bahnanleihe mit 7,29 Prozent (zehn Jahre Laufzeit) gestellt, läßt sich ermessen, welchen Reiz die Großchemie-Aktien auf zinsbewußte Anleger ausüben müssen.

Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, Aktien zu historischen Höchstkursen zu kaufen. Deshalb wird es wohl auch noch einige Zeit dauern, bis ein Aufbruch zu neuen Gipfeln beginnt. Das Signal dazu müssen die Ausländer geben. Sie spielen auf zwei Klavieren. Einmal scheinen sie in bestimmten deutschen Spitzenwerten immer noch Kurschancen zu sehen, zum anderen setzen sie auf ein Wiedererstarken der Mark gegenüber dem Dollar.

Bis in die letzten Tage hinein interessierten sich Ausländer für Siemens, Deutsche Bank, Schering, Nixdorf und auch Porsche. Die Anregungen deutscher Banken, sich doch auch wieder für Daimler zu erwärmen, stießen bislang nur auf geringen Widerhall. Möglicherweise geht dies auf Prognosen zurück, daß die Automobilnachfrage 1985 in ruhigeren Bahnen verlaufen wird. K. W.