Das Institute of International Finance hat seine Arbeit am Sitz des Weltwährungsfonds aufgenommen

Von Rudolf Herlt

Der Mexiko-Schock vom Herbst 1982 saß tief. Er wäre weniger heftig ausgefallen, wenn es das Institute of International Finance, das seine Arbeit Anfang dieses Jahres aufgenommen hat, damals schon gegeben hätte. Mexiko war nur ein Teil der Misere. Selbst den Betroffenen verschlug es damals die Sprache, als sie die Höhe des Engagements einzelner Banken in faulen Schuldnerländern erfuhren. Wenn diese Forderungen wegen erklärter Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerländer als Verluste hätten abgeschrieben werden müssen, wäre so mancher Bankvorstand vor dem Konkursrichter erschienen. Der Welt könnte im Frieden nichts Schlimmeres passieren als eine Kettenreaktion von Bankpleiten. Das Weltfinanzsystem ginge dabei zu Bruch.

So unvorbereitet und uninformiert wie damals wollten die Vorstände der Geschäftsbanken nicht noch einmal erwischt werden. Schon im Mai 1982 überlegten einige von ihnen in Ditchley Park bei Oxford in England, wie krisenhafte Zuspitzungen im internationalen Finanzsystem vermieden werden können. Die mexikanische Zahlungskrise beschleunigte damals nicht nur das Denken, sondern auch die Entscheidungen. Auf einem neuen Treffen im Oktober 1982 in New York, das unter dem Namen Ditchley II in die Bankgeschichte eingegangen ist, wurde der Plan einer Informations- und Evidenzzentrale schon soweit entwickelt, daß im Jahr 1983 ihre Gründung möglich wurde.

Aber dann dauerten die Geburtswehen lange. Erst im Juni 1983 einigten sich die Gründerbanken auf André de Lattre als Hauptgeschäftsführer des Instituts – ein französischer Bankmanager, der durch die Verstaatlichungsaktionen der Sozialisten in Frankreich verfügbar war. Ihm stehen zwei Stellvertreter zur Seite: Horst Schulmann, der frühere Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, und Ogden White von der Bank of Boston. Voll arbeitsfähig waren die drei erst Anfang 1984. Inzwischen hat das Institut mit dem Sitz in Washington einen Stab von 32 Mitarbeitern.

Das Geld kommt von den fast 200 Mitgliedern, gegenwärtig ausschließlich Geschäftsbanken. Auf sie entfallen 85 Prozent aller internationalen Banckredite. Von den 18 Banken in der Wel, die gegenüber Entwicklungs- und Ostblockländern Förderungen von zehn Milliarden Dollar und mehr haben, sind 16 Mitglieder des Instituts. Zwei stehen abseits: die Deutsche Bank in Frankfurt und die Societé Generale in Paris. Beide arbeiten in der Ebic-Gruppe Europäischer Großbanken eng zusammen.

Über die wahren Gründe für das Abseitsstehen der Deutschen Bank ist viel gerätselt worden. Der Vorstand hat sich nie öffentlich dazu geäußert. Vorstandssprecher Wilfried Guth sagte zu diesem Thema zuletzt: „Wenn wir erkennen, daß das Institut wirklich nützlich und instruktiv ist, dann werden wir unsere Haltung neu überdenken.“ Von der Nützlichkeit scheint, wenn dieser Rückschluß erlaubt ist, die deutsche Nummer Eins unter den Großbanken noch nicht überzeugt zu sein.