DIE ZEIT

Prüfstein

Maschinen-lesbar soll er nicht werden, der neue Personalausweis, aber eine „Lesezone“ soll er erhalten. Vor allem aber, so wünscht es auch das Bundeskriminalamt, müsse er „fälschungssicher“ sein.

Warten auf Wunder

In der Schlußphase des amerikanischen Wahlkampfes hat stets der Wunderglaube Hochkonjunktur. Hoffnungen wuchern, obwohl eindeutige Umfragetrends sie klar zu widerlegen scheinen.

Ohne Beispiel

Die chinesischen Kommunisten haben einen wirtschaftlichen Kurswechsel beschlossen, wie er in der Geschichte der sozialistischen Staaten ohne Beispiel ist.

Abschied

Nicht nur die Wälder sterben, auch die Baumschulen. So nannte man zärtlich die literarischen und kulturpolitischen Zeitschriften – Plantagen für neues Denken, neue Talente, neue Fühlweisen, neue Autoren.

Kaufen und sich kaufen lassen

Die Union macht es sich einfach: Die Grünen sind die Bösewichter. Ihnen werden jetzt "Nazi-Methoden" unterstellt; die Absicht, das System zu stürzen; eine strategisch elegante Kampagne zur Zerstörung der Demokratie.

Worte der Woche

„Wir werden uns mit Entschlossenheit und Überzeugung gegen den durchsichtigen und kalkulierten Versuch der Grünen zur Wehr setzen, durch Verleumdungen und Verdächtigungen im Stile der Nationalsozialisten und Kommunisten in der Weimarer Republik Ehre und Ansehen des Bundeskanzlers zu verletzen und herabzuwürdigen.

Zeitspiegel

Die Bewältigung der jüngsten Vergangenheit beschäftigt Argentinien immer noch. Das Militär zögert, die beschuldigten Offiziere vor militärischen Gerichten abzuurteilen.

Westeuropäische Union: Europa als zweiter Pfeiler

Eine ungewöhnliche Ministerrunde aus sieben westeuropäischen Staaten schickt sich an, am Freitag und Samstag dieser Woche in Rom, ein anspruchsvolles Vorhaben in die Tat umzusetzen: eine organisierte europäische Eigenständigkeit in der Sicherheitspolitik des Nordatlantischen Bündnisses und mehr Ebenbürtigkeit im Umgang mit der Führungsmacht Amerika.

BONNER BÜHNE: Prinzipien zählen nicht

Für die Bonner Deutschlandpolitiker ist Bild zur Pflichtlektüre geworden, aus bedrückendem Anlaß. Kaum ein Tag vergeht, an dem das Blatt nicht über jene DDR-Bürger zu berichten weiß, die sich in bundesdeutschen Ostblockbotschaften festsetzen, um ihre Ausreise in den Westen zu erzwingen.

Ein Reporter in Haft

Name: Jacques Abouchar. Beruf: Reporter. Am 17. September war der französische Fernsehjournalist mit einem Trupp afghanischer Widerstandskämpfer in einen Hinterhalt geraten und gefangengenommen worden.

Grenada: „Heute steht alles still“

Das Schild am winzigen Flughafen Pearls nimmt sich freundlich aus: „Grenada kennt kein Drogen- und Feuerwaffenproblem. Wir möchten diesen Zustand beibehalten.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Benigno Aquino, der im August 1983 auf dem Flughafen von Manila erschossene philippinische Oppositionsführer, war das Opfer einer Verschwörung höchster Offiziere des Marcos-Regimes.

Golfkrieg: Neue Ziele?

In den vier Jahren des Golfkrieges war am Mittelabschnitt der Kriegsfront nie viel geschehen: Das Bergland an der Grenze erschwert größere militärische Operationen.

Wolfgang Ebert: Versuchter Giftmord

„Davor, die Atmosphäre hier durch leichtfertige Beschuldigungen zu vergiften. Das kann Sie Kopf und Kragen kosten. Unsere Gegend lebt von der Kreuzschen Textilfabrik.

Schweiz: Kleinstaat mit Chance

Ganz spurlos sind die letzten Tage an ihr nicht vorübergegangen. Sie ist blaß, wirkt ein bißchen erschöpft. Aber durch ihr fast schüchternes Lächeln blitzen Stolz und Selbstbewußtsein: "Die Reaktion ist überwältigend.

Wahlkampf: Ein kultivierter Abend

Das letzte Stück muß der Kandidat zu Fuß gehen; denn Autos sind auf dem Gelände nicht gern gesehen, und Staatskarossen schon gar nicht.

Gastarbeiterin Uniform: Wenn die Heimat ruft

Wenige Tage bevor Außenminister Hans-Dietrich Genscher im Frühjahr zu einem Staatsbesuch in die Türkei aufbrach, hatte er einen Brief von Siegfried Bleicher erhalten, Mitglied des DGB-Bundesvorstands.

Fernseh-Zeit: Kästchen im Kopf

Dies gehört schon zur tristen Fernsehgeschichte: Ein Jahr lang haben bei der ARD mit Donner und Blitzschlag die Berge gekreißt – und heraus kam eine spitznasige Eins.

Bisher nur leere Versprechungen

Die geistig-moralische Wende, die uns von Politikern der Christlichen Union versprochen worden war, ist längst im Sumpf der Bonner Affären steckengeblieben.

Billig aus der DDR

Wenn auf die Werkshöfe von DDR-Betrieben Lastzüge mit westdeutschen Kennzeichen rollen, macht sich bei den Arbeitern Frust breit.

Seelenmassage in Genf

Keine Frage, die Opec steckt mal wieder in einer Krise – der schwersten seit März 1983. Damals verhandelten die Minister tagelang in London, bis sie sich schließlich dazu durchrangen, den Richtpreis für ein Barrel Rohöl zum ersten Mal seit mehr als zwanzig Jahren zu senken, und zwar von 34 auf 29 Dollar.

Lufthansa: Unzufrieden

Man hatte es schon fast vergessen: Das fliegende Personal der Lufthansa wollte streiken, weil es sich bei Lohn und Arbeitszeit gegenüber dem Bodenpersonal benachteiligt fühlte.

Mittelstand: Stiefkinder

Die Bundesregierung wollte die Neugründung von Unternehmen erleichtern und bürokratische Stolpersteine aus dem Weg räumen. Finden sich aber mutige potentielle Unternehmer, dann bleiben sie auf ihrem Weg in die Selbständigkeit oft an Hindernissen hängen, die sie zwingen, ihr ganzes Vorhaben aufzugeben.

Bonner Kulisse

Unbestritten hat jeder das Recht, die Forderung der Gewerkschaften nach der 35-Stunden-Woche schlicht „dumm und töricht“ zu finden.

Forschungsgelder: Abkassiert

Knapp fünf Milliarden Mark staatlicher Forschungsgelder sind in den vergangenen zehn Jahren (von 1973 bis 1983) an die Firma Siemens geflossen, ein Viertel der Gesamtsumme, die Bonn für die direkte industrielle Forschungsförderung aufgewendet hat.

Büromaschinen: Neues vom Multi

Eine Nachricht alarmierte in der letzten Woche weltweit die Kommunikationsbranche. Der Computer-Gigant IBM, der in den vergangenen Jahren in der Sparte Textverarbeitung immer mehr Marktanteile verloren hatte, weil er zu lange an der technisch veralteten Kugelkopfschreibmaschine festhielt, meldete sich als innovativer Büromaschinenhersteller zurück.

Schottland: Ende mit Schrecken

Wenn man auf der alten A8 von Edinburgh nach Glasgow fährt, passiert man auf halbem Wege eine Fabrikhalle von riesigen Ausmaßen.

Großbritannien: Ein Hauch von Bürgerkrieg

Werden die Lichter ausgehen?" So fragt die Sunday Times besorgt und untermauert ihren Alarmruf mit einem Schaubild. Es zeigt, daß die Kohlevorräte der britischen Elektrizitätswerke spätestens dann auf ihr unverzichtbares Minimum gefallen sein werden, wenn die Briten Weihnachten feiern.

ZEITRAFFER

Die Bundesbürger verbrauchen wieder mehr Energie: In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat der Primärenergieverbrauch um gut fünf Prozent zugenommen.

MANAGER UND MÄRKTE

Eberhard von Brauchitsch, seit Monaten als zentrale Figur der Parteispenden-Affären im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, ist nicht nur als Gesellschafter des Flick-Konzerns ausgeschieden.

Flexibel als Ausnahme

Janßen: Das ist eine völlig abwegige Behauptung. In bezug auf Vertragstreue wird sich die IG Metall von niemandem übertreffen lassen.

"Obwohl ich stark konservative Züge habe..."

Rainer Barzel vor Augen und, mehr noch, die unmittelbare Verquickung von ökonomischer und politischer Macht, stellt Hans L. Merkle eine seiner Maximen hintan - nichts zu sagen über sich und schon gar nichts über andere.

Agrarpolitik: Alles in Butter

1980 dem Embargo der USA gegen Moskau anschloß. Dennoch sind auch vor vier Jahren große Mengen EG-Agrargüter auf Umwegen in die Sowjetunion gelangt.

Fusionen: Nestles großer Coup

Der jährliche Ausflug von Verwaltungsrat und Konzernleitung des Schweizer Nahrungsmittelmultis Nestlé war seit langem geplant.

Die Allianz-Gruppe, ein finanzielles Machtzentrum besonderer Art, soll durch eine neue Struktur noch schlagkräftiger werden. Doch schon heute gleicht der Versicherungskonzern einem Kraftwerk ohne Sicherungen: Die Entscheidungen des Vorstandes werden kaum kontrolliert.: Der Riese und sein Herr

Wenn die zwanzig Mitglieder des Aufsichtsrates der Allianz Versicherungs-AG am 10. Dezember zu ihrer nächsten Sitzung in München zusammenkommen, wird Vorstandschef Wolfgang Schieren die Runde mit nebulösen Andeutungen über gewisse „Vorprüfungen“ vermutlich kaum mehr zufriedenstellen.

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