Die Eidgenossen geben sich selbstgenügsam und weltoffen zugleich

Von Matthias Naß

Bern, im Oktober

Ganz spurlos sind die letzten Tage an ihr nicht vorübergegangen. Sie ist blaß, wirkt ein bißchen erschöpft. Aber durch ihr fast schüchternes Lächeln blitzen Stolz und Selbstbewußtsein: "Die Reaktion ist überwältigend. Diese Freude, diese Begeisterung hätte ich mir niemals vorstellen können. Die Leute hatten Tränen in den Augen. Das alles hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen."

Lachend fährt sich Elisabeth Kopp über das Haar. Anfang des Monats wurde sie als erste Frau der Schweiz in die Landesregierung gewählt, dreizehn Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts im Bund. Die 47jährige Juristin aus Zürich nahm eine der letzten Männerbastionen im Sturm, die von den männlichen Eidgenossen bis dahin mit beharrlichem Eigensinn verteidigt worden war. Der erste Versuch, dies zu schaffen, war der Sozialdemokratin Lilian Uchtenhagen vor einem Jahr noch mißlungen.

Auch die Freisinnige Demokratin Elisabeth Kopp sprach sich in ihrer Fraktion damals gegen die Wahl der Sozialdemokratin aus. Wollte sie die erste sein? Sicherlich, räumt sie ein, habe die Nichtwahl von Lilian Uchtenhagen die Öffentlichkeit der Schweiz für den Anspruch der Frauen sensibilisiert. "Es ist bestimmt etwas Wahres daran, wenn gesagt wird, Frau Uchtenhagen habe das Tor aufgestoßen, durch das ich nun eintreten konnte."

Als neue Bundesrätin hat Elisabeth Kopp das durch den Rücktritt von Rudolf Friedrich frei gewordene Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement übernommen. Sie könnte sich, bemerkt sie selbstsicher, angesichts ihrer kommunalpolitischen Erfahrungen aber auch ein anderes Ressort vorstellen, etwa das Innen-, das Energie- oder das Wirtschaftsministerium – "schlimmstenfalls sogar das Militär". Auch dafür brächte sie einschlägige Kenntnisse mit, hat sie doch als Fahrerin eines Sanitätswagens freiwillig in der Armee gedient.