Mit neuartigen Schreibmaschinen will IBM verlorenes Terrain zurückerobern

Eine Nachricht alarmierte in der letzten Woche weltweit die Kommunikationsbranche. Der Computer-Gigant IBM, der in den vergangenen Jahren in der Sparte Textverarbeitung immer mehr Marktanteile verloren hatte, weil er zu lange an der technisch veralteten Kugelkopfschreibmaschine festhielt, meldete sich als innovativer Büromaschinenhersteller zurück. IBM beschränkte sich nicht darauf, mit zwei elektronischen Typenradmaschinen zur Konkurrenz aufzuschließen, die über solch modernes Schreibgerät schon seit vier bis sechs Jahren verfügt. Der amerikanische Multi kündigte überdies eine ausgesprochene Novität an: eine Schreibmaschine mit neuartiger Thermotechnik, die dieses für Computerdrucker erprobte Prinzip nun auch dem Chefbüro zugänglich macht.

Denn vor allem auf die Chefetagen zielt die neue Thermoschreibmaschine, die von Anfang nächsten Jahres an ausgeliefert werden soll: Wenn der Boß künftig eine Rede oder einen Vortrag zu halten hat, dann braucht seine Sekretärin beim Schreiben des Manuskripts nur eine Taste zu bedienen und die Schrift wird auf die doppelte Breite gespreizt und bleibt auch aus größerer Distanz lesbar. Zwischen zwei Schriftarten kann mit Knopfdruck gewählt werden. Vierzig winzige Elektroden heizen per Tastendruck in Sekundenbruchteilen die Tinte im Farbband auf bis zu 300 Grad auf und bringen sie zu Papier. Nachträgliches, spurenfreies Löschen ist möglich.

Hans Kohn, Generalbevollmächtigter von IBM Deutschland in Stuttgart, ist überzeugt, „daß wir mit der neuen Thermotechnik einen ähnlichen Schritt wie seinerzeit mit der Einführung der Kugelkopfschreibmaschine tun“. Die Kugelkopfmaschine ist schon 1961 auf den Markt gekommen. In 23 Jahren wurden weltweit rund zehn Millionen Stück verkauft. Zwei elektronische Versionen wurden erst 1982 und Anfang 1984 vorgestellt. Sie sind wesentlich teurer als die moderneren Typenradmaschinen und die Thermomaschinen und werden wohl von der Konkurrenz aus dem eigenen Haus verdrängt werden.

Für IBM war es höchste Zeit, auf dem Büromaschinenmarkt wieder Anschluß an den Stand der Technik zu gewinnen. Weil Computer und Büroschreibgeräte im Zeichen der integrierten Informationstechnik immer mehr zusammenwachsen, waren neue Einstiegsmodelle für das Büro unerläßlich. Doch nun wird der Computerriese auch auf dem Schreibmaschinenmarkt die Konkurrenz wieder das Fürchten lehren.

Den Bestand an Büroschreibmaschinen beziffert IBM auf weltweit zwanzig Millionen, davon 1,7 Millionen in der Bundesrepublik. Nach Branchenschätzungen werden in diesem Jahr allein 1,88 Millionen elektronische Schreibmaschinen ausgeliefert, davon in der Bundesrepublik rund 180 000. Das Wachstum des Marktes ist beachtlich, die Modernisierungswelle rollt; und IBM will verlorenes Terrain zurückerobern.

Weltweit ist der Multi in den letzten Jahren deutlich hinter den Marktführern Olivetti (18 Prozent Marktanteil) und Triumph-Adler (rund 15 Prozent) zurückgefallen – vermutlich auf unter zehn Prozent. Die Japaner (Brother, Canon und andere) haben zusammen bereits ein Fünftel des Weltmarktes erobert. In diesem Jahr dürfte Triumph-Adler dem Spitzenreiter Olivetti noch näher kommen, auch wenn der Streik in der deutschen Metallindustrie, von dem Triumph-Adler stark betroffen war, der deutschen Firma dies sehr erschwert.