Auf der Sonderkonferenz der Ölminister soll eine Förderkürzung beschlossen werden

Keine Frage, die Opec steckt mal wieder in einer Krise – der schwersten seit März 1983. Damals verhandelten die Minister tagelang in London, bis sie sich schließlich dazu durchrangen, den Richtpreis für ein Barrel Rohöl zum ersten Mal seit mehr als zwanzig Jahren zu senken, und zwar von 34 auf 29 Dollar. Vater des schmerzhaften Kompromisses war der Ölminister Saudi-Arabiens Scheich Ahmed Zaki Jamani.

Ohne Jamani ist die Opec praktisch handlungsunfähig. Seit gut zwanzig Jahren bestimmt er die Ölpolitik des größten Ölexporteurs der Welt. Und Saudi-Arabiens Position ist so überragend, weil das Königreich derzeit ein Drittel des gesamten Opec-Öls fördert und dabei seine Kapazitäten nicht einmal zur Hälfte auslastet.

Wann immer die Preise in den vergangenen Jahren unter Druck gerieten, versuchte Jamani gegenzuhalten. 1979 und 1980 steigerte sein Land die Ölförderung zeitweilig auf elf Millionen Barrel täglich, um den Preisanstieg zu dämpfen. Seine Kartellbrüder warnte er vergeblich vor Unmäßigkeit. Libyen, Algerien und Nigeria nutzten die Gunst der Stunde und kassierten mehr als vierzig Dollar pro Barrel. amanis Mahnung, diese Politik der rücksichtslosen, kurzfristigen Gewinnmaximierung werde der Opec bald schaden, fand bei seinen intellektuell nicht immer gleichwertigen Kollegen kein Gehör.

Ein Jahr später dämmerte ihnen, was Jamani gemeint hatte. Der Ölverbrauch ging weltweit zurück, weil die horrenden Ölpreise die Rezession der Weltwirtschaft beschleunigten und überdies die Verbraucher zu unerwartet sparsamem Umgang mit dem teuren Rohstoff zwangen. Die Ölpreise gerieten unter Druck und daran hat sich bis heute nichts geändert. Auf dem Spotmarkt, der sehr sensibel die Schwankungen von Angebot und Nachfrage spiegelt, kostete nigerianisches Rohöl Anfang dieser Woche nur noch 28 Dollar, rund 14 Dollar weniger als vor gut drei Jahren. Die Nigerianer mußten sich um ihren ohnehin stark geschrumpften Ölabsatz sorgen, seit die Norweger und Briten, die vergleichbares Öl verkaufen und beide nicht zur Opec gehören, ihre Preise senkten. Vergangene Woche zog Nigeria mit einem offiziellen Preisabschlag von zwei Dollar je Barrel nach. Jamani war vorher informiert worden. Der Zusammenhalt der Opec geriet in Gefahr und es drohte ein Preiskampf aller gegen alle.

Von niedrigen Ölpreisen würden nur die Verbraucherländer profitieren. Die Opec-Staaten und auch die anderen Ölländer hätten keine Chance, ihren Absatz und damit ihre Einnahmen kurzfristig zu steigern, wenn sich alle Preise parallel wie in einer Spirale nach unten bewegen würden. Kaum jemand würde wegen sinkender Preise schlagartig mehr Öl verbrauchen. Die Opec hat also nur eine Chance, ihre Einnahmen einigermaßen zu sichern: Sie muß die Ölproduktion drosseln und damit die Preise verteidigen.

Der saudische Ölminister hat in den vergangenen Monaten die meisten Ölstaaten besucht, die nicht zur Opec gehören. Er versuchte die Kartell-Konkurrenz von der Vorteilhaftigkeit eines abgestimmten Verhaltens auf dem Ölmarkt zu überzeugen. Seine diplomatische Mission scheiterte nur bei den Norwegern.