Es wird viel Kritik an den USA geübt. Nach acht Monaten in Michigan, wo ich studierte, kann ich einiges davon verstehen; aber es fällt mir auf, daß es in den Vereinigten Staaten einiges an Serviceleistungen gibt, auf die ich in Deutschland verzichten muß. Und ganz sicher wäre für einige dieser Dienstleistungen auch bei uns ein Markt vorhanden.

Heute morgen beispielsweise brachte ich Negative zum Entwickeln in einen Photoladen. Wenn ich Glück habe, sind sie übermorgen fertig. In Michigan bekan ich sie eine Stunde später.

Was, wenn sonntagabends niemand Lust zum Kochen oder Ausgehen hat? In Ann Arbor sucht man sich aus den vielen Gutscheinen und Angeboten, die einem ins Haus flattern, das Beste aus und bekommt innerhalb einer halben Stunde seine Pizza ins Haus geliefert. Gutscheine und spezielle Annoncen wie „buy one – get one free“ sind allgemein verbreitet, aber da einem im Endeffekt doch nichts geschenkt wird und man sammeln und vergleichen muß, ist dies wohl keiner der nachahmenswerten Aspekte.

Diese Verschleierung der Angebote und Preise findet auch bei den sogenannten Happy-Hours und Lady-free-nights statt. Lokale und Bars bieten vieles frei an, aber dafür sind dann die normalen Preise auch etwas höher.

Auf ihre Gesundheit sind die Amerikaner sehr bedacht, und eine Schlankheitskur oder ein Vegetarierdasein werden einem wesentlich leichter gemacht als hier in Deutschland. Im sogenannten Recreation-Center, einem Sportzentrum, zu dem man als Student automatisch Zutritt hat, oder das man sonst über einen Verein besuchen kann, bieten sich viele Möglichkeiten, sportlich fit zu bleiben. Jeder kann sich mit Swimming-pool, Track, Squasn, Kraftmaschine und Gymnastikraum sein eigenes Fitneß-Programm zusammenstellen. Für die ganz kleinen Kinder findet an Wochenenden kostenlos eine beaufsichtigte Spiel- und Turnstunde statt, und zu gewissen Zeiten steht das Schwimmbad ausschließlich Familien mit Kindern zur Verfügung.

Lebensmittel sind im allgemeinen besser beschriftet, Inhalt und Kalorien sind in der Regel angegeben. In einem Restaurant gibt es selbstverständlich eine Salatbar. Außerdem steht dort ein Glas Eiswasser auf dem Tisch, und Kaffee wird so viel nachgeschenkt, wie man will. Vegetariermahlzeiten sind nicht nur in Lokalen eine Selbstverständlichkeit, sondern auch in Kantinen und bei großen Picknicks. Auf Cocktailparties werden Gemüseplatten gereicht, und man kann so die schrecklichen Chips und Oliven vermeiden. Dies sind nur kleine Unterschiede, die mir aufgefallen sind, und ich will nicht über Ursachen und Sinn spekulieren, aber vielleicht zeigen sie, daß der Kunde in Amerika noch König ist – wie leicht könnte er es auch hier sein.

Noch ein Beispiel: Eine Telephonrechnung mit Auflistung der einzelnen Ferngespräche – Ortsgespräche sind sowieso frei –, mit gewählter Nummer, mit der Dauer des Gesprächs sind eine Selbstverständlichkeit. 800er-Nummern sind kostenlos anzurufen; so kann man sich zum Beispiel nach Flugzeiten erkundigen; der „Operator“ hilft einem immer weiter, und wenn man kein Geld bei sich hat, kann man immer noch einen „collectcall“ machen: der Empfänger zahlt. Sollte nicht auch bei uns das gelbe Monopolunternehmen seinen Dienst am Kunden größer schreiben?

Imma Bockelmann