Von Gerhard Seehase

Sein Auftritt ist leise und von tiefem Ernst. Wenn der Trainer des HSV durch die Tür kommt, wissen die wartenden Journalisten, daß es – selbst nach großen Siegen – nichts zu lachen gibt. Eine Pressekonferenz beim Wiener Ernst Happel wirkt immer ein bißchen wie der Tragödie letzter Teil.

Als einen „Beethoven in der Endphase“ hat ihn einmal sein Wiener Kollege Max Merkel bezeichnet. Tatsächlich scheint sich in dem zerknitterten Gesicht das gesammelte Leiden eines Tieftraurigen auszudrücken, wenn Happel mit leiser Stimme Kommentare zum Spiel gibt.

Da sitzt ein Unnahbarer am Tisch und antwortet auf Fragen der Journalisten, wenn überhaupt, mit jener gelangweilten Gleichgültigkeit, die den Fragenden sogleich als Unwissenden bloßstellt: „Sie haben das Spiel doch selbst gesehen.“ Und deshalb wird beim HSV-Trainer kaum noch gefragt, nur noch zugehört, auch wenn er nichts sagt.

„Privat“, sagt HSV-Manager Günter Netzer, „ist er ganz anders. Ein charmanter Plauderer, der eine Tischrunde mitreißen kann.“ Im Dienst aber trägt Ernst Happel eine Maske. Wie so viele andere Trainer auch, wenn sie nach dem Spiel durch die Tür kommen, hinter der die „Öffentlichkeit“ lauert.

Der Mannheimer Trainer Klaus Schlappner zum Beispiel kommt meistens mit der Maske eines verschmitzten Lächelns. Einer wie er hat selbst im Fall der Niederlage noch einen flotten Spruch für die Medienvertreter parat. Die Erwartungen, die man an ein „Original“ stellt, erfüllt er perfekt. „Schlappi“ wird zwischen Flensburg und Konstanz zitiert, wenn er, wie jüngst nach dem 2:1 gegen Uerdingen, sagt: „Wir mußten ja schon unsere Großmutter nach unserem letzten Heimsieg fragen.“

Pressekonferenzen sind unvermeidlich. In der Politik wie im Fußball. Nur, im Fußball sind sie anscheinend noch unvermeidlicher, weil hier ein ungeschriebenes Gesetz vom Trainer verlangt, daß er nach jeder Neunzig-Minuten-Vorstellung die Journalisten darüber informiert, was sie gerade eben erst selbst gesehen haben. Und weil den Trainern der Informationscharakter einer solchen Pressekonferenz schon längst nicht mehr einleuchtet, ziehen sie also eine Show ab, die zwischen den Extremen tiefer Traurigkeit (Happel) und salopper Fröhlichkeit (Schlappner) variiert