Ist die berühmte „Berliner Weiße mit Schuß“ ein preußisches Ideendiebesgut und wahrhaft eine „Oberbayerische Weiß-Blaue“? Diese Frage liegt nahe, wenn man mit „Clausings Posthotel“, dem ersten Haus in Garmisch-Partenkirchen, Bekanntschaft macht. Die alte Posthalterei am Marienplatz, wegen ihrer zierratreichen Fassade ein beliebtes Photomotiv für Besucher des Werdenfelser Landes, wirbt nämlich im Katalog der Romantikhotels nicht nur mit ihrem Baujahr 1512, sondern auch mit ihrem exotisch anmutenden Bierruhm. Die luxuriöse Herberge sei, so heißt es dort, seit über fünf Generationen in Clausings Familienbesitz, „wobei der Bierbrauer Clausing anno 1850 die „Berliner Weiße’ erfand“. Des Rätsels Lösung: Jener erfindungsreiche Brauer wirkte zwar in der Reichshauptstadt an der Spree und erhielt auch dort eine kömgliche Belobigung für seine schmackhafte Erfrischung. Aber seiner, ungestümen Sohn wollte er zumindest für einige Jahre vom Rausch der Großstadt fernhalten. Zugleich sollte der Junior etwas Ordentliches lernen, so erwarb der Vater das Posthotel von Garmisch-Partenkirchen und dirigierte seinen Filius in die Berge. Der junge Preuße gab sich alle Mühe, sich wie gewünscht „die Hörner abzustoßen“ – damit war der Jungbrauer für die Dorfburschen ein Kumpan nach Maß. Das belegen vahre Geschichten von ergötzlichen Raufhändeln und mannhaften Gipfeltaten, die der heutige Chef des Hauses (wie alle Clausings mit dem urbajuwarischen Namen Heinrich versehen) mit augenzwinkerndem Stolz und Verweis auf alte Photos an der Wirtshauswand bisweilen erzählt.