Brauchst Du Geld, lieber Leser? Kein Problem – pfeif Dir nur diese Zeilen rein und am Ende wirst auch Du gerafft haben, wie man bei minimalem Einsatz von physischer und intellektueller Energie maximal Knete machen kann. Du mußt dich nur mit dieser Sprache vertraut machen, echt Alter eyh, die wir Journalisten seit einigen Jahren als die Sprache der Szene, oder geiler noch: Ssien-Sprache, verbreiten. Da kann jeder seinen Reibach machen.

Lassen wir mal die zahllosen Klein- und Kleinstverlage beiseite, die sich am Rande der szenarischen Vermarktung tummeln, konzentrieren wir uns auf die richtig großen Geschäftemacher und die Bücher, die Du Dir unbedingt besorgen mußt, wenn Du auch einsteigen willst. Der Heyne-Taschenbuch-Verlag hat im Laufe des letzten Jahres drei Bände herausgebracht. Graffiti, Graffiti 2 und das Wörterbuch der Szenesprache. Bei Bertelsmann im Bücherklub kommt gerade Graffiti – Sprüche aus der Szene und von November an ist auch Droemer Knaur mit von der Partie, Titel: Do you speak Sponti? – das letzte aus der Szene.

Logo Alter, das schnall ich auch nicht mehr, von welcher Szene da eigentlich die Rede ist, ob von Bankern oder Punkern. Aber wenn Du ordentlich Kohle machen willst, darfst Du da keine Hemmungen haben.

Halte Dich an den Branchenführer in Sachen kommerzialisierter Szenerie, an den Frankfurter Eichborn Verlag, aber Vorsicht – dessen Chef ist echt herbe drauf, oder, wie man früher zu sagen pflegte: mit dem Manne ist nicht gut Kirschen essen. Der hat in den letzten drei Jahren fünf Bände mit Sponti-Sprüchen und einen mit Schüler-Sprüchen auf den Markt geworfen (Stück fünf Mark) und davon sage und schreibe 700 000 Exemplare abgesetzt. Sein Prinzip ist ganz einfach. Jeder, der ihm einen sogenannten Sponti-Spruch schickt, egal, ob der nun selbstgereimt oder von der Klowand der Stammkneipe abgepinnt ist, kriegt ein Freiexemplar – falls der Spruen für wert befunden wird, in die noch lange nicht abgeschlossene Eichborn-Enzyklopädie des deutschen Wandspruchs aufgenommen zu werden.

Also, Alter, wenn Du mit Hilfe eines kleinen Heimcomputers sämtliche in deutschen Verlagen erschienenen Szene-Bücher durchforstest, aus, jedem fünf bis zehn Prozent abschreibst, das mit den Klosprüchen aus Deiner Stammkneipe garnierst und nun noch einen der Verlage auftust, die noch nicht dabei sind, steht Deinem finanziellen Glück wohl nichts mehr im Wege. Wer das alles kauft? Ja, das ist mir auch ein Rätsel; daß sich das Jugendliche reinziehen, kann und will ich nicht glauben. Aber Lehrer, jugendbewegte Psychologen, Eltern und natürlich Werbemenschen.

Werbemenschen nutzen das sicherlich inzwischen als unersetzliches Handwerkszeug. Da hat man das Ohr eben am Mund der neuen Jugend-Zeit. „Ein blitzsauberes Vergnügen, echt astrein“, lautet dann die Reklame für den Film „Sigi, der Straßenfeger“ mit Harald Juhnke. Und das Bundesamt für den Zivildienst, das doch ansonsten total beamtenmäßig drauf ist, überschreibt eine Kolumne in seinem Mitteilungsblatt Der Zivildienst mit Alles palletti?

Nur, Alter, eines sollte klar sein. Den Spruch Null Bock auf alles, den verwendest Du besser nicht. Da gibt’s zwar keinen Zoff mit Eichborn, aber da mach ich Randale. Den habe ich nämlich erfunden, 1981, hier in dieser Zeitung. Null auf nichts dagegen kannst Du ruhig nehmen, aber das ist ja echt beknackt, weil eine doppelte Verneinung und damit das genaue Gegenteil. Oder Du nimmst mein Lieblingsmotto: „Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben – man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.“ Dein

Klaus Pokatzky