Ein Brief der israelischen Botschaft und eine Entgegnung

von Andreas Kohlschütter

Die Botschaft des Staates Israel schickte uns „mit freundlichen Grüßen“ unter dem Datum des 10. Oktober 1984 eine „Richtigstellung“ zu einem Dossier von Andreas Kohlschütter, der vor zehn Wochen über die israelische Besiedelungspolitik im besetzten Westjordanland berichtet hatte. Wir veröffentlichen dieses Schreiben zusammen mit einer Stellungnahme unseres Reporters.

Der Brief

In der ZEIT Nr. 34 vom 17. August 1984 erschien der Bericht von Herrn Andreas Kohlschütter „Wo der Friedensgruß Schalom in den Ohren weh tut“. In dem Artikel werden vom Verfasser arabischen Bewohnern eine große Anzahl von Zitaten in den Mund gelegt und den Lesern als „Tatsachen“ vermittelt; in gleichem Zuge werden schwere Anschuldigungen gegen den Staat Israel erhoben. Die Vorwürfe sind in Israel sorgfältig überprüft worden. Die Zeit, die seit dem Abdruck des Berichts von Herrn Kohlschütter verstrichen ist, ergibt sich aus der gewissenhaften Überprüfung, die einem Rechtsstaat obliegt.

1. Der Bauer Ali aus Al-Khadr/Efrat soll gesagt haben: „Sie nahmen mein Land, zerstörten meine Rebstöcke, 700 Stück...“ Weiter wird in dramatischer Form beschrieben, wie ein anderer Bauer, der 67jährige Ismail, „vor Gram“ gestorben sei, nachdem er „einen entwurzelten Rebstock unter den Steinen hervorgewühlt“ habe. Schließlich wird behauptet, daß Millionen von Quadratmetern für „dringende militärische Zwecke“ beschlagnahmt worden seien.

Wahr ist folgendes: Das heutige Efrat wurde ausnahmslos auf unbebautem Boden errichtet, einschließlich der Verkehrswege und aller öffentlichen Einrichtungen. Rebstöcke wurden weder zerstört noch abgezäunt aus dem einfachen Grunde, daß es dort nie solche gegeben hat. Die Behauptung, daß dort Weinstöcke gestanden hätten, wurde an eine Untersuchungskommission verwiesen, die die Kläger ersuchte, das Gutachten eines landwirtschaftlichen Sachverständigen einzuholen. Der Experte – übrigens ein Araber – stellte in seinem schriftlichen Gutachten fest, daß das Land, um das es sich handelte, nicht bebaut, sondern steinig war und daß es sich in Zukunft für Weinbau erst dann eignen würde, wenn das Gestein einmal abgetragen sei; mit anderen Worten, in seinem bestehenden Zustand eignete sich das Land für keinen Anbau.