Werner Höfers Wein

Der „Kreuzbund e. V.“, eine Selbsthilfeorganisation für Suchtkranke, appellierte an den verantwortlichen Redakteur des „Internationalen Frühschoppens“, Werner Höfer, er möge doch einmal, nur ein einziges Mal, vor der Kamera statt Wein ein alkoholfreies Getränk anbieten. Seine Sendung habe die längste Tradition im deutschen Fernsehen und genieße hohe Einschaltquoten; deshalb würde er ein nicht zu übersehendes Signal setzen, wenn er am 28. Oktober auf das ständige Requisit seiner Plauderrunde verzichtete, besonders da man an diesem Tag bundesweit Aktionen gegen den Mißbrauch von Alkohol plane. Schließlich könne Höfer etwas für seine eigene Zunft tun, denn eine „besonders durch Alkohol gefährdete Berufsgruppe sind sicher auch die Journalisten“. Wein werde in minimaler Menge gereicht, schrieb der Moderator zurück. Jeder Gast werde vor der Sendung nach seinen Präferenzen gefragt, und nicht nur Mohammedaner hätten sich oft genug für Apfelsaft entschieden. Noch nie habe ein Kollege das Studio Sprech- oder fahruntüchtig verlassen. Außerdem falle dem Trunk ja keine animierende, stimulierende oder provozierende Rolle zu. Also keine Enthaltsamkeitsrunde, weder am 28. noch sonst. Der Frühschoppen bleibt feucht.

Wie Türken wohnen

„Türken wohnen jede Wohnung ab“; „Türken wollen gar nicht besser wohnen, weil sie jeden Pfennig sparen und nach Hause schicken“; „Türken sind am liebsten unter Türken“. – Die Vorurteile sind zahllos. Das „Institut für Arbeitssoziologie und Arbeitspolitik“ der Ruhruniversität Bochum hat Fakten ermittelt. Die Ergebnisse einer „Studie zur Wohnsituation ausländischer Mitarbeiter der Ruhrkohle AG“ liegen jetzt vor.

Türken haben die ältesten und schlechtesten der 201 000 Wohnungen der Ruhrkohle AG zugewiesen bekommen, zahlen dafür im Verhältnis aber mehr als Deutsche. So steht es in der Studie. „Die Untersuchungen haben ergeben, daß ein großer Teil des Ruhrkohle-Wohnungsbestandes ... aus Wohnungen besteht, die weder von der sanitären Ausstattung (kein Bad, kein WC) noch vom baulichen Zustand her dem zeitgemäßen Standard entsprechen.“ Logische Folge: „Die meisten Türken wollen eine bessere und vor allem größere Wohnung und sind auch bereit, mehr Miete zu bezahlen.“

Weiter stellt die Studie fest, daß die „überwältigende Mehrheit der Türken mit Deutschen zusammenleben will und ihre gettoähnliche Wohnsituation beklagt, die innen die Chance nimmt, deutsche Nachbarn kennenzulernen“.

„Räumliche Streuung der türkischen Familien“ heißt deshalb das Rezept im Soziologendeutsch. Die Wissenschaftler empfehlen ihren Auftraggebern überdies, die Häuser zu modernisieren, mehr große Wohnungen anzubieten und sie vor allem gerechter zu verteilen.

Die Ruhrkohle AG wird die Ratschläge beherzigen – allerdings nicht, um der Ausländerfeindlichkeit in ihren Wohnbezirken zu begegnen. Wie steht es im Kapitel „Grundlagen und Ziele der Studie“ nachzulesen? „Die Erhaltung und Reproduktion der Arbeitskraft kann ... beeinträchtigt werden, wenn Mängel an Ausstattung und insbesondere Zustand der Wohnung ebenso wie eine emissionsbelastete Wohnlage gesundheitliche Schäden hervorrufen können...“