Die Wüste lebt – und die Maus ist ein Riese. Am kommenden Sonntag, 10.45 Uhr, wird das wahrscheinlich intelligenteste, humanste Kinderprogramm des Deutschen Fernsehens zum 500. Male gezeigt: „Die Sendung mit der Maus.“ Wenn die große Maus und ihr Freund, der kleine Elefant, auftreten, ist der Fernseh-Kasten wenigstens für eine halbe Stunde von allem Krach, von Dummheit und Grausamkeit erlöst. Alle Eltern (und die Kinder sowieso) gratulieren!

Buchheims Zorn, neue Folge

Lothar-Günther Buchheim ist empört. Er glaubt Anzeichen zu erkennen für „die dritte Verfolgung des Expressionismus durch eine Einzelperson – und dieser Bösewicht ist der Direktor des Münchner Hauses der Kunst, der Buchheims Sammlung partout nicht so ausstellen will, wie es dem Sammler vorschwebt. Hermann Kern wiederum, der die Ausstellung zu verantworten hat, ist aufgebracht über den Eingriff in seine „wissenschaftliche Souveränität“ und sieht sich durch den Sammler in seinen Rechten als Hausherr beschnitten. Tatsache ist, daß jeder sich vom anderen beleidigt fühlt und beide nun nur noch über Anwälte miteinander verkehren. Kurioserweise sind die Kontrahenten sich zwar weiterhin einig, daß Buchheims Expressionisten-Sammlung zum Abschluß ihrer triumphalen Welttournee, und ehe sie als Dauerleihgabe nach Duisburg geht, in München gezeigt werden soll. Sehr verschiedener Meinung sind sie jedoch darüber, ob die Schau ein Erfolg wird, wovon der Sammler überzeugt ist, oder ob sie mit einem gewaltigen Defizit endet, wie der Aussteller befürchtet. Buchheim behauptet, daß die Kostenschätzung zu seinen Ungunsten manipuliert sei (und dafür gibt es konkrete Anhaltspunkte). Hermann Kern dagegen meint, daß Buchheim übertrieben hohe Erwartungen hat, was die Besucherzahl betrifft, und verlangt von ihm die Zusage, „alles in seiner Macht liegende zu tun, um die Ausstellung auch finanziell zu ermöglichen“. Und das kann eigentlich nur heißen, daß LGB sich an FJS wendet. Das jedoch lehnt der Sammler ab, weil so der Eindruck entstehen könne, er wolle Geld für sich „lockermachen“. Vielleicht wird der bayerische Ministerpräsident auch von sich aus tätig. Denn was ist schon eine Ausfallgarantie von wenigen hunderttausend Mark gegen den Millionenverlust der Wittelsbacher Ausstellung.

Architekturkritiker: verklagt

Donald Trump, seit einiger Zeit auch namentlich im schicken Trump Tower an der Fifth Avenue verewigt, ist ein New Yorker Baulöwe. Er hatte in den letzten Jahren viel Glück mit seiner Beute und macht nun Anstalten, zum größten Sprung anzusetzen, die je ein Exemplar seiner Spezies gewagt hat: Er will an der südöstlichen Ecke Manhattans, unweit der Wallstreet, den allerhöchsten Wolkenkratzer der Welt bauen, 150 Stockwerke hoch, 40 mehr, als die Doppeltürme des World Trade Centers in New York und der (zur Zeit höchste) Sears Tower in Chicago haben. Techniker würden garantiert ihren Spaß daran haben; nur gibt es Bedenken, daß es sich wirtschaftlich tatsächlich rentierte, von all den Problemen zu schweigen, die allein der Aufzugs- und der Straßenverkehr heraufbeschwören würde. Von architektonischem Gewinn und städtebaulicher Vernunft war eh nicht die Rede. Eben dies forderte Paul Gapp heraus, den Architekturkritiker der Chicago Tribune. Er fürchtet, es würde da ein Monster heranwachsen, eine „Guinness-Buch-der-Rekorde-Architektur“, die die Skyline nun gänzlich aus dem Gleichgewicht zu reißen drohe. Er nannte Trumps Turm-Traum einen albernen Einfall. Dieser Tritt auf den Schwanz hat den Baulöwen so in Rage gebracht, daß er nicht nur brüllte, sondern die Pranke hob: Er verklagte den Architekturkritiker und dessen Zeitung auf einen Schadensersatz von umgerechnet über anderthalb Milliarden Mark. Er fühle sich nicht nur lächerlich gemacht, sondern in Finanzierungsschwierigkeiten gebracht (nicht zuletzt deswegen, weil die Chicago Tribune eine von ihm nicht autorisierte Zeichnung gedruckt hatte). Man möchte – wie Gapps Kollege Goldberger in der New York Times – eher bezweifeln, daß ein Kritiker imstande sei, den ganzen Bau- und Maklermarkt von seinen Anlagengeschäften abzuhalten. Man denkt eher an etwas anderes: Ein Konkurrent Trumps sagt, die Stadt habe das Grundstück längst ihm versprochen.