Machtprobe

Die Bewältigung der jüngsten Vergangenheit beschäftigt Argentinien immer noch. Das Militär zögert, die beschuldigten Offiziere vor militärischen Gerichten abzuurteilen. In zwei besonders prominenten Fällen – Ex-Präsident Jorge Videla und Juntamitglied Emilio Massera – redeten sich die uniformierten Richter mit Arbeitsüberlastung und zu kurzen Fristen heraus. Videla und Massera wurden jetzt in ein Zivilgefängnis überstellt, nachdem die (zivile) Bundesappellationskammer die Fälle an sich gezogen hatte – die in den „schmutzigen Krieg“ verwickelten Soldaten nicht vor zivile Gerichte zu stellen, war Teil jenes heiklen Kompromisses, den Präsident Alfonsin zwischen der empörten Bevölkerung und dem Militär eingehen mußte, das am liebsten überhaupt keine Prozesse haben möchte. Die Machtprobe ist noch nicht ausgestanden.

Rüsten zum Fest

Noch hat kein Amerikaner seine Stimme für Ronald Reagan oder Walter Mondale abgegeben – aber für die Siegesfeier (oder formaler gesagt: die Amtseinführung des gewählten oder wiedergewählten Präsidenten) wird in Washington eifrig gerüstet. Zuständig für das Spektakel am 20. Januar 1985 ist das Verteidigungsministerium, das zwei Generale und 200 weitere Bedienstete für die Vorbereitungen abgestellt hat. Das Pentagon hat Übertragungswagen und Alarmanlagen in Los Angeles gekauft, wo sie seit dem Ende der Olympischen Spiele unbenutzt herumstanden, hat seine Leute auf die Suche nach einem Tanzsaal für 40 000 Gäste geschickt und tausend motorisierte Schneeräummaschinen für den Fall mobilisiert, daß das Wetter nicht mitspielt. 539 000 Dollar kostet das Ganze, eventuelle Sonderwünsche der noch zu wählenden Hauptperson nicht eingerechnet.

Am ersten Tag

Zwei Kirchengemeinden der Zeugen Jehovas im englischen Colchester können sich eines erstaunlichen Schöpfungsaktes rühmen: An einem einzigen Tag errichteten sie ihr neues Gotteshaus. 250 Maurer, Dachdecker, Klempner und Zimmerleute, darunter Glaubensbrüder aus dem ganzen Land, nahmen am Samstag morgen um sieben Uhr die Arbeit auf. Hunderte von freiwilligen Helfern gingen ihnen zur Hand. Es wurde Abend, es wurde Nacht, und am nächsten Morgen, pünktlich um sieben, war der Bau vollendet: Eine solide Ziegelstein-Kirche mit Zentralheizung und 192 Sitzplätzen. Die frommen Bauleute schauten auf ihr Werk und sahen, daß es gut war. Am Sonntag mittag feierten sie in der „Halle des Königreiches“ ihren ersten Gottesdienst.

Selbsthilfe

Autofahrer, die ihr Vehikel bis zum 15. November freiwillig mit einem Abgas-Katalysator ausrüsten, erleichtern damit nicht nur ihr Umweltgewissen, sondern kommen vielleicht sogar in den Genuß eines kurzen Urlaubs im Schwarzwald. Die ersten 150 Autohalter, die ihre gute Tat dem Hotel- und Gaststätten-Verband Hochschwarzwald anzeigen (amtlich beglaubigte Kopie des Fahrzeugscheines ist beizufügen), können drei Tage lang kostenlos bei Schwarzwaldwirten logieren. Die Verbandsmitglieder befürchten, daß dem Waldsterben im Schwarzwald sehr schnell auch ein Gaststätten- und Hotelsterben folgen wird – und vom Reiz ihres Angebots (und dem Publicity-Gag) versprechen sich die Wirte inzwischen vielleicht mehr als von den Ankündigungen der Politiker.