Von Stefan M. Gergely

Die Vereinigten Staaten beherrschen über 90 Prozent des Datenmarktes – und besitzen dadurch ein strategisch wichtiges Informationsmonopol. Versuche, ein europäisches Gegengewicht zu schaffen, sind bislang gescheitert.

Weltweit etwa 2000 Datenbanken können aus der Bundesrepublik Deutschland bereits über internationale Kommunikationsnetzwerke abgerufen werden; insgesamt 60 Millionen Bücher, Zeitschriftenaufsätze und Kongreßberichte sowie Milliarden statistische Daten sind in den elektronischen Computergedächtnissen gespeichert und "online" via Telephon verfügbar.

Handelte es sich bislang vorwiegend um bibliographische Hinweise (nur Autor, Titel und Verlag eines Buches erscheinen am Bildschirm), drängen seit kurzem sogenannte Volltext-Datenbanken auf den Markt: Bei der kalifornischen Firma Dialog, dem weltgrößten Anbieter von Datenbanken, kann man bereits einige Dutzend Zeitschriften am Bildschirm elektronisch lesen, darunter auch den Playboy (allerdings ohne Photos). Die britische Thorn/EMI-Tochter Datasolve bietet die BBC Summary of World Broadcasts, den Economist und die Beiträge der Presseagentur Associated Press an – insgesamt hundert Millionen Worte sind dort auf IBM-Magnetplatten verewigt, jeden Tag kommen 200 000 hinzu.

Entscheidender Vorteil der Computergehirne: Mit Hilfe von Suchworten kann man in Sekundenschnelle die relevanten Informationen gezielt abrufen. Wer solcherart die exponentiell anwachsende Informationslawine im Griff behalten will, muß dafür allerdings einiges bezahlen: Eine Stunde elektronisches Blättern und Lesen kostet etwa 250 Mark; je nachdem, ob die Datenbanken direkt aus den USA angezapft werden oder über deutsche Vermittler (Hosts), kommen noch mehr oder weniger hohe Telephonspesen hinzu.

Der Umsatz der online-Informationsmärkte der westlichen Industriestaaten dürfte gegenwärtig bei 900 Millionen Dollar bei wissenschaftlich-technischen Daten, beziehungsweise zwei Milliarden Dollar bei Wirtschaftsdaten liegen. Die USA beanspruchen in mehrfacher Hinsicht den Löwenanteil:

  • Über 95 Prozent der Wissenschafts- und ca. 85 Prozent der Wirtschaftsinformationen werden dort verkauft, die Bundesrepublik kann bloß magere 0,6 Prozent beziehungsweise 1,4 Prozent für sich reklamieren;
  • die Deutschen stellen zwar 14,3 Prozent des Bruttosozialproduktes Westeuropas und der USA, aber nur 0,9 Prozent des entsprechenden Fachinformationsmarktes;
  • die US-Datenbank Chemical Abstracts hat bereits zehn Millionen Dokumenteinheiten gespeichert, die drei deutschen Datenbanken dieses Fachbereichs zusammengenommen aber nur 300 000;
  • die Benutzerdichte ist in den USA etwa fünfzigmal so hoch wie bei uns.