Schiffe bringen Giftmüll auf die hohe See. Tausende Vögelsterben an der Ölpest In Bremen tagt nun eine internationale Konferenz: Kann sie die Nordsee retten?

Von keinem übertreffen lassen“ werde sich die Bundesregierung bei ihrem Engagement für die bedrohte Nordsee. Carl-Dieter Spranger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, wußte wohl, warum er im Mai den Zuhörern eines Vortrags in Brunsbüttel dieses Gelöbnis mit auf den Weg gab.

Schon damals war klar, daß die für Mitte dieser Woche von seinem Dienstherrn Friedrich Zimmermann nach Bremen einberufene „Internationale Nordseeschutz-Konferenz“ lautstarke Konkurrenz zu gewärtigen haben würde. „Vorgetäuschter Aktivismus, Schall und Rauch“ sei dieses Treffen der für die Umwelt zuständigen Minister aus acht Nordseestaaten. So tönte es schon im voraus – ebenfalls in Bremen – auf einer alternativen „Aktionskonferenz Nordsee“. Veranstaltet wurde sie von zehn Umweltverbänden – darunter so gut wie alle deutschen, das „Europäische Umweltbüro“ Brüssel und die niederländische „Werkgroep Noordzee“ –, die sich wiederum auf eine Hundertschaft kleinerer in- und ausländischer Gruppen stützen können.

Vergeblich hatte Bundesinnenminister Zimmermann versucht, ihrem Eifer Zügel anzulegen: Nicht an „Forderungen, sondern lediglich an Vorschlägen“ sei er interessiert, ließ er sie vor einem Jahr wissen. Die derart Gemaßregelten wollten sich nicht zu lästigen Vorschlagshanseln degradieren lassen und formierten sich im Januar zur „Aktionskonferenz“, um den Umweltbürokraten Beine zu machen.

Den ministerialen Meeresschützern vorab die Bremer Schau zu stehlen, ließen sich die Aktivisten nicht nehmen. Am Sonntag, also drei Tage vor Beginn des Offiziellen-Palavers, verkündeten sie schon das Ergebnis – den bis auf drei Passagen längst abgesegneten „Vorentwurf eines Kommuniqués der Ministerkonferenz“.

Leseprobe: „Die Minister verabschiedeten (und unterzeichneten) ein umfassendes Schutzkonzept für die Nordsee ... Die Minister stimmten überein, daß die Konferenzergebnisse zur Erhaltung der Nordsee unverzüglich umgesetzt werden müssen, damit auch in den kommenden Jahrzehnten im Nordseeraum eine lebenswerte Umwelt gesichert ist.“

Zu mehr als wohlklingenden Versprechungen wird Zimmermanns Bremer Allerheiligen-Runde kaum führen. „Gefragt ist“, so die Kritik der Umweltschützer, „politischer Konsens um jeden Preis – selbst um den Preis der Erfolglosigkeit.“ Nicht anders als mit Agrar-Produktionsquoten oder Milchzuschüssen halten es nämlich die Europäer mit gemeinsamen Umweltproblemen: Viel reden und verhandeln, aber bloß dem lieben/bösen Nachbarn nicht ins Geschäft pfuschen.