Das Gedächtnis von Otto Graf Lambsdorff, ehemaliger Wirtschaftsminister und derzeitiger Wirtschaftssprecher der FDP-Fraktion, läßt nach. Als er in einem Interview mit der Bunten Illustrierten unter Bezug auf die kritischen Konkurrenzblätter stern und Spiegel indirekt zu einer Art Boykott aufrief, hatte er sich selbst ganz vergessen. Lambsdorff im Interview: "Ich verstehe es überhaupt nicht, daß jede Woche ein Regierungsmitglied dazu beiträgt, die Medien, die die Regierung gnadenlos in die Pfanne hauen, durch Interviews fortlaufend interessant zu machen. Wenn man sich so verkauft, an den falschen Stellen, dann darf man sich nicht wundern, daß die Regierungspolitik draußen falsch ankommt. Bundeskanzler Kohl rechnet Lambsdorff "hoch an, daß ich von ihm seit Regierungsbildung weder im stern noch im Spiegel je ein Interview gelesen habe".

Am 18. Juli 1983 hat Lambsdorff dem Spiegel das letzte Interview gegeben, also zu einer Zeit, in der man auch ihn und die Regierung Kohl schon eine ganze Weile in die "Pfanne genauen" hatte.

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Bundeskanzler Helmut Kohl kann seinen Pflichten künftig auch im Hubschrauber etwas ungestörter nachgehen. Ein Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes – Typ Puma SA 330 – wird gegenwärtig für 1,9 Millionen Mark mit einer besonderen Schallisolierung ausgerüstet. Nach Umrüstung des Hubschraubers sollen auch Gespräche während des Fluges möglich sein. Wie der über Beschaffungsvorhaben stets gut informierte Bonner Branchendienst "Informationen aus Politik und Wirtschaft" soeben mitteilt, gibt es noch Zusätzliches: "Tatsächlich wird die Maschine mit dem gesamten VIP-Brimborium bestückt – abgeteilter Raum, Servierküche, Luxus-Innenverkleidung, Teppiche, Vorhänge etc.

Ursprünglich war für Kohl noch was Besseres geplant: Der Bundesgrenzschutz sollte ‚schwarz‘ durch stillschweigendes Umschichten von Mitteln zwischen Kfz- und Luftfahrzeug-Titel (des Haushalts! zwei ‚Superpuma‘ für 20 Millionen DM kaufen." Ach, was waren das für Zeiten, als das Kanzleramt noch sparsam bei Coca und Erbsensuppe regierte.

Der CDU-Abgeordnete Werner Dolata brachte es an den Tag: Neuerdings werden auch Karpfenteichwirte subventioniert. Nach den Steuerbeschlüssen für die Landwirtschaft vom letzten Sommer verzichtet der Fiskus seit Jahresmitte auf fünf weitere Prozent Umsatzsteuer vom Verkaufserlös landwirtschaftlichen Produkte, sofern die aus forst- und landwirtschaftlichen Betrieben stammen.

Finanzstaatssekretär Hansjörg Häfele teilte nun dem Abgeordneten Dolata auf dessen Anfrage die Gründe für die neue Teichwirtsubvention mit: "Da eine Teichwirtschaft nach Paragraph 24 Absatz 2 Nummer 1 Umsatzsteuergesetz als land- und forstwirtschaftlicher Betrieb gilt, steht einem Karpfenteichwirt ebenfalls die umsatzsteuerliche Vergünstigung zu." Einem bösen Gerücht zufolge erwägt das Finanzministerium schon wieder eine weitete Subvention – für die Besitzer von Reitpferden.