Vorfälle wie bei der Kerkerbachbahn und BCT Computer, zwei Gesellschaften, an denen die Aktionäre ihr Geld zu verlieren drohen, haben den Ruf nach Anlegerschutz wieder lauter werden lassen.

Am Anfang waren sich alle einig: Von jungen Unternehmen, die "an die Börse" wollen, ist nicht die gleiche strenge Publizitätspflicht zu verlangen wie von jenen Gesellschaften, die ihre Aktien seit Jahren im sogenannten "amtlichen Handel" notieren lassen. Für eine gewisse Übergangszeit sollten die Aktien der Börsenneulinge auf einem noch zu schaffenden Parallelmarkt handelbar sein, der zwar weniger strenge Publizitätsauflagen kennen, aber gleichwohl der Aufsicht des jeweiligen Börsenvorstandes unterstehen würde.

Für die Einrichtung eines solchen Parallelmarktes ist eine Änderung des Börsengesetzes erforderlich. Um sie durchzusetzen, braucht es viel Zeit. Auf alle Fälle mehr, als zahlreiche an die Börse drängende Unternehmen besitzen. In dieser Situation erinnerten sich die Börsianer an die Freizügigkeiten, die ihnen das geltende Börsengesetz läßt. Sie sind – richtig genutzt, so groß –, daß es im Grunde der Änderung des Börsengesetzes nicht bedarf.

Das Verdienst der Münchener Vermögensberatungsfirma PM Portfolio Management ist es, diese Auswege als erste beschritten zu haben. In kurzer Zeit brachte PM mit Hilfe einiger Banken Aktien meist unbekannter Gesellschaften an die Börse, deren Kurse zunächst einmal explodierten. Die Spekulanten verdienten damit prächtig.

Aber es war nicht alles Gold, was PM an die Börse brachte. Die Kerkerbachbahn hat Konkurs angemeldet, ihr Vorstandschef Tom S. sitzt in Untersuchungshaft. Die BCT Computer AG in Köln, hat das Vergleichsverfahren beantragt und scheint ebenfalls dem Konkurs entgegenzugehen. Und die Teuwo AG in Lübeck, eine Bauträgergesellschaft, ist wie auch andere von PM an die Börse gebrachten Unternehmen, nicht in der Lage, ihre Dividendenzusagen einzuhalten. Vorkommnisse, die vergessen lassen, daß von PM auch einige "gute" Unternehmen börsenreif gemacht wurden.

Aber Pannen, zumal wenn sie bei ordentlicher Durchleuchtung der Unternehmen vermeidbar gewesen wären, wiegen eben schwerer. Danach rufen die Geschädigten nach den Schuldigen. Den sehen sie nicht nur in PM und den Vorständen der betroffenen Unternehmen, sondern auch in der Institution Börse, die solche Gesellschaften zum Börsenhandel zugelassen hat.

Nun meine ich, meine verehrten Leser, daß die Zeichner und Käufer der inzwischen wertlos oder im Wert gesunkenen Aktien ein hohes Maß an eigener Schuld tragen. Denn sind sie nicht Papieren von Unternehmen hinterhergelaufen, von denen sie nicht einmal den Namen wußten, geschweige denn, was von ihnen produziert wird? Hier ging es allein um rasche Kursgewinne. Daß den letzten dabei die Hunde beißen, wollte niemand wahrhaben. Wer nicht rechtzeitig verkauft hat, hat das Nachsehen.